Umweltethiker warnt vor künstlichen Eingriffen ins Klima
veröffentlicht am 05.12.2009

Der Umweltethiker Konrad Ott hat vor dem Einsatz technischer Großlösungen zur Lösung des Klimaproblems gewarnt. Sogenanntes Geo-Engineering wie «Sonnenschirme» aus Schwefeldioxid verschöben die Risiken nur in die Zukunft und könnten künftige Generationen vor unlösbare Probleme stellen, sagte der Greifswalder Professor im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP.
Frankfurt/Main - Der Umweltethiker Konrad Ott hat vor dem Einsatz technischer Großlösungen zur Lösung des Klimaproblems gewarnt. Sogenanntes Geo-Engineering wie «Sonnenschirme» aus Schwefeldioxid verschöben die Risiken nur in die Zukunft und könnten künftige Generationen vor unlösbare Probleme stellen, sagte der Greifswalder Professor im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP.
Die bisherigen Konzepte des Geo-Engineering berücksichtigten nicht ausreichend die Folgen für die komplexen Ökosysteme auf der Erde und befänden sich zudem in einer völkerrechtlichen Grauzone.
Zwar könne eine einzelne Nation technisch in der Lage sein, etwa Millionen Tonnen Schwefeldioxid-Partikel in der Stratosphäre auszubringen, um so wie bei einem gewaltigen Vulkanausbruch die Sonneneinstrahlung zu verringen. «Aber kein Land ist befugt, eine solche Entscheidung für die Weltgemeinschaft zu treffen», sagte Ott. Das sei Sache internationaler Gremien wie der Vereinten Nationen. «In dieser Frage wird die Menschheit jedoch nie einen Kompromiss finden», erklärte der Umweltethiker.
Die Diskussion über Geo-Engineering werde von «Kreisen in den USA forciert, die noch vor wenigen Jahren zu den Klimaskeptikern zählten». Nun, da Skepsis an dem vom Menschen verursachten Klimawandel nicht mehr zu rechtfertigen seien, würden die technischen Lösungen propagiert, etwa in der Zeitschrift Foreign Affairs und einigen konservativen Think Tanks, sagte Ott.
Diese Befürworter des Geo-Engineering setzten auf ein Scheitern des Klima-Gipfels von Kopenhagen. Denn in dem Fall steige die Wahrscheinlichkeit, dass in zwei oder drei Jahrzehnten das Thema heiß diskutiert werde. Auch deshalb seien die Politiker in Kopenhagen «zum Erfolg verurteilt. Das darf jetzt nicht scheitern», forderte der Professor.
Die Diskussion über Geo-Engineering dürfe nicht dazu führen, beim Klimaschutz nachzulassen. Noch sei Zeit zum Umsteuern mit CO2-Reduzierung und Anpassungsstrategien: «Noch haben wir es in der Hand. Wenn der politische Wille da ist, können wir die Treibhausgas-Emissionen in den nächsten Jahrzehnten so gestalten, dass sich die Geo-Engineering-Optionen erledigen. Dann brauchen wir darüber auch nicht zu diskutieren.» (© AP)





