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Bayer-Chef kritisiert Banken

veröffentlicht am 05.12.2009


Gut ein Jahr nach dem Höhepunkt der Finanzkrise hat der Chemie- und Pharmakonzern Bayer die Kreditinstitute scharf kritisiert. «Die Finanzbranche muss aufpassen, dass sie sich von der Gesellschaft nicht noch weiter entfernt», sagte der Vorstandsvorsitzende Werner Wenning der «Bild»-Zeitung». Das ifo-Insitut geht unterdessen davon aus, dass die Institute erst 40 Prozent ihrer faulen Wertpapiere abgeschrieben haben.

 

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Frankfurt/Main - Gut ein Jahr nach dem Höhepunkt der Finanzkrise hat der Chemie- und Pharmakonzern Bayer die Kreditinstitute scharf kritisiert. «Die Finanzbranche muss aufpassen, dass sie sich von der Gesellschaft nicht noch weiter entfernt», sagte der Vorstandsvorsitzende Werner Wenning der «Bild»-Zeitung». Das ifo-Insitut geht unterdessen davon aus, dass die Institute erst 40 Prozent ihrer faulen Wertpapiere abgeschrieben haben.


Es sei nicht nachvollziehbar, dass Banken, die mit Staatshilfe gerettet worden seien, heute wieder hohe Boni zahlten, sagte Wenning. «Mein Eindruck ist, dass einige Banker noch keine Lehren aus der Krise gezogen haben.» Insofern habe Kanzlerin Angela Merkel grundsätzlich mit ihrer Feststellung recht, dass manche Banker schon wieder eine dicke Lippe riskierten. «Pauschalurteile sind immer schwierig. Ich gebe Frau Merkel in der Tendenz aber recht.»


Wenning warf den Banken vor, «heiße Luft» statt dauerhafter Werte zu schaffen. «Hoffentlich findet dort ein Umdenken statt. Nachhaltigkeit ist gefragt ein kurzfristiges Handeln ist zum Scheitern verurteilt. Und darüber hinaus gilt das einfache Prinzip: Wer den Nutzen hat, muss auch für den Schaden aufkommen.»


Zur Frage, ob die Krise vorbei sei, sagte der Bayer-Chef: «Der Tiefpunkt ist überwunden, aber wir sind noch lange nicht über den Berg. Es ist auch zu früh, um von einem sich selbst tragenden Aufschwung zu sprechen. Das liegt vor allem auch daran, dass in den USA der Konsum noch nicht anzieht.»


Zu den größten Risiken für den Aufschwung zähle unter anderem die Entwicklung am Arbeitsmarkt: «Die Arbeitslosigkeit wird trotz aller Anstrengungen von Politik und Wirtschaft weiter steigen. Das verunsichert die Menschen, und deshalb halten sie sich bei größeren Anschaffungen zurück. Zudem müssen wir dafür sorgen, dass der normale Finanzkreislauf speziell für kleine und mittlere Unternehmen wieder in Schwung kommt.» Hier seien vor allem die Banken gefragt, sagte Wenning.


Ifo-Chef Hans-Werner Sinn geht davon aus, dass man die Tragweite der Finanzkrise heute noch nicht ermessen kann. Das deutsche Bankensystem sei sehr viel mehr geschädigt, als es die Bankbilanzen bislang zeigten, schrieb er in einem Beitrag für die «Wirtschaftswoche». Bislang hätten die Institute erst gut 40 Prozent der faulen Wertpapiere abgeschrieben. «60 Prozent stehen noch aus, was bedeutet, dass die deutschen Banken mehr als die Hälfte ihres Eigenkapitals (175 Milliarden von 305 Milliarden Euro) verlieren.»


Die USA hätten zudem einen so schweren Schlag erlitten, dass das Land noch länger am Boden liegen könne. «Die Mutation des Casino-Kapitalismus zur Volksrepublik ist atemberaubend.» Die Dimensionen der Krise gingen weit über das hinaus, was man noch vor Monaten für möglich gehalten hätte. «So positiv die Börsenmeldungen und Wachstumszahlen in letzter Zeit waren, so schockierend sind die Hintergründe der Krise.»  (© AP)



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