Der "weltliche Papst" verlässt die Internationale Atomenergiebehörde
veröffentlicht am 30.11.2009

Als «weltlichen Papst» hat sich Mohammed ElBaradei einmal bezeichnet. Seine Mission sei es dafür zu sorgen, «dass wir uns nicht zum Schluss gegenseitig umbringen». Am Dienstag scheidet der langjährige Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) aus dem Amt und wird vom Japaner Yukiya Amano ersetzt.
Wien - Als «weltlichen Papst» hat sich Mohammed ElBaradei einmal bezeichnet. Seine Mission sei es dafür zu sorgen, «dass wir uns nicht zum Schluss gegenseitig umbringen». Am Dienstag scheidet der langjährige Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) aus dem Amt und wird vom Japaner Yukiya Amano ersetzt. Der Friedensnobelpreisträger von 2005 hinterlässt seinem Nachfolger ein schwieriges Erbe.
Der Ägypter bleibt nach zwölf Jahren an der Spitze der IAEA eine umstrittene Figur. Unumstritten ist: Unter ElBaradeis Führung konnte sich die einst etwas obskure UN-Organisation nicht zuletzt dank seines Nobelpreises ungewohnter öffentlicher Aufmerksamkeit und Wertschätzung erfreuen.
Es ist das Verdienst ElBaradeis, die bürokratische UN-Behörde seit 1997 zu einem der wichtigsten Akteure der Abrüstungsbemühungen gemacht zu haben. Engagiert, aber mit äußerster Sachlichkeit führte er die IAEA durch schwierige Herausforderungen wie die Ausweisung von Inspekteuren aus Nordkorea im Jahr 2002 oder die Untersuchungen im Irak vor dem Krieg von 2003. Dauerthema in seiner Amtszeit waren Nordkorea und das iranische Atomprogramm. Keines der beiden Probleme konnte in seiner Amtszeit gelöst werden.
Geboren 1942 in Ägypten, studierte ElBaradei Rechtswissenschaften in Kairo und New York. 1964 trat er in den diplomatischen Dienst seines Landes ein. Die Vereinten Nationen lernte er in New York und Genf als Mitglied der ständigen Vertretung Ägyptens kennen. Danach übernahm er verschiedene Aufgaben für die UN. Seit 1984 war ElBaradei bei der IAEA tätig, im Dezember 1997 übernahm er das Amt des Generaldirektors.
Kritiker warfen ihm vor, zu langsam zu agieren. Aber ElBaradei warb stets um Geduld und trat für genaueste Überprüfungen ein. Bei aller diplomatischer Zurückhaltung ließ er es sich nicht nehmen, deutlich Stellung zu beziehen. So kritisierte er 2003 die Zustimmung des US-Kongresses zur Entwicklung sogenannter Mini-Atomwaffen mit einer Sprengkraft von weniger als fünf Kilotonnen.
Unvergessen ist aber vor allem, dass ElBaradei dem damaligen US-Präsidenten George W. Bush vor dem Irak-Krieg die Stirn geboten hat. Im März 2003 wollten die USA nicht mehr abwarten, bis die IAEA dort die von Bush behauptete Existenz von Atomwaffen überprüft hatte. Bushs Entscheidung zum Krieg brüskierte ElBaradei. «Sollten verbotene Waffen gefunden werden, haben nur die Vereinten Nationen die Autorität, sie zu beseitigen - und nicht die USA», erklärte ElBaradei am ersten Tag des Krieges.
Langjährige Mitarbeiter Bushs wie William Tobey aus dem US-Energieministerium sehen ElBaradei auch im Rückblick kritisch. «Die konfrontative Beziehung ... war nicht produktiv», sagte Tobey und deutet damit an, dass der Streit zwischen Washington und Wien letztlich dem Iran genützt habe. ElBaradei wurde von den USA immer wieder vorgeworfen, gegenüber Teheran nicht hart genug vorgegangen zu sein. Seit dem Einzug Barack Obamas ins Weiße Haus hatte sich das Verhältnis der USA zum IAEA-Chef allerdings merklich verbessert.
Gegner der USA wie die kubanische IAEA-Delegierte Norma Goichochea Estenoz dagegen würdigen ElBaradei zum Abschied als einen unabhängigen Kämpfer für Abrüstung, der stets ein offenes Ohr für alle Mitglieder der Atomenergiebehörde gehabt habe. Der iranische Chefdelegierte in Wien, Ali Asghar Soltanieh, erklärte, ElBaradei habe Rückgrat gezeigt trotz des «immensen politischen Drucks» des Westens. (© AP)




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