Machtkampf beim ZDF: Verwaltungsrat stimmt über Chefredakteur Brender ab
Frankfurt/Main - Der monatelange Machtkampf um den Chefredakteursposten beim ZDF steht vor der Entscheidung. Der Verwaltungsrat will am Freitag in Berlin über den Vorschlag von Intendant Markus Schächter entscheiden, den Vertrag mit Nikolaus Brender zu verlängern. Das Gremium dürfte den 60-Jährigen aller Voraussicht nach durchfallen lassen - der hessische Ministerpräsident Roland Koch als Wortführer der Unionsmehrheit im Verwaltungsrat hat sich bereits im Frühjahr offen gegen Brender ausgesprochen.
Wie Schächter dann reagiert, ist noch unklar. Dem Vernehmen nach könnte der Intendant noch in der Sitzung einen alternativen Vorschlag machen. Hoch gehandelt wird Peter Frey, derzeit Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios. Der Verwaltungsrat könnte dann noch in diesem Jahr auf einer Sondersitzung die Personalie entscheiden.
Eher unwahrscheinlich ist, dass der Intendant nach einem Votum gegen Brender vor Gericht zieht. Schächter ließ zuletzt erkennen, dass er einen langwierigen Rechtsstreit mit dem mächtigen Verwaltungsrat scheut. Schließlich könnte er nicht direkt das Verfassungsgericht anrufen, sondern müsste zunächst beim Verwaltungsgericht in Mainz klagen. Auch eine Kompromissidee, Brenders Vertrag nicht mehr für fünf, sondern nur noch für ein Jahr zu verlängern, scheint vom Tisch zu sein.
Längst geht der Streit über die Personalie Brender hinaus, sondern um die Frage nach dem Einfluss die Politik in dem öffentlich-rechtlichen Sender. Noch am Wochenende kritisierten 35 führende Staatsrechtler den «offenkundigen Versuch, einen unabhängigen Journalisten zu verdrängen und den Einfluss der Parteipolitik zu stärken». weiterlesen >>