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"New in Town": Mit High Heels gegen gute Menschen in Strickjacke

veröffentlicht am 23.11.2009


Manager, die aus Karrieregründen eine Zeit lang j.w.d. ziehen, um verschnarchte Firmen-Zweigstellen auf Vordermann zu bringen, ereilt in Komödien stets ein ähnliches Schicksal. Die Schnösel werden von den vermeintlich unterbelichteten Provinzlern gefoppt und, sofern sie sich nicht rechtzeitig vom Acker machen, zum Leben auf dem Lande mit seinen simplen Freuden bekehrt.

 

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Frankfurt/Main - Manager, die aus Karrieregründen eine Zeit lang j.w.d. ziehen, um verschnarchte Firmen-Zweigstellen auf Vordermann zu bringen, ereilt in Komödien stets ein ähnliches Schicksal. Die Schnösel werden von den vermeintlich unterbelichteten Provinzlern gefoppt und, sofern sie sich nicht rechtzeitig vom Acker machen, zum Leben auf dem Lande mit seinen simplen Freuden bekehrt. Es heißt nicht zuviel zu verraten, dass dies auch der Hauptfigur der am 26. November anlaufenden Komödie «New in Town» blüht.


Jungmanagerin Lucy muss allerdings eine besonders strapaziöse Anpassungsleistung vollziehen, denn ihr Chef schickt sie aus dem heißen Florida ins Kaff New Ulm im verschneiten Minnesota. Ihr Job ist es, die örtliche Joghurtfirma «umzustrukturieren», sprich: die Hälfte der Arbeiter zu entlassen. Doch ist das Wetter auch unterirdisch, so taut die zwischenmenschliche Wärme doch ihr kaltes Karrierefrauenherz auf. Dabei hilft ausgerechnet der örtliche Gewerkschaftsmann Ted. Bevor aber der kernige Witwer im Holzfällerlook und die zackige Blondine zankend zueinander finden, muss die Fabrik gerettet werden.


Filmemacher Jonas Elmer ist hierzulande fast unbekannt (2001 gewann er den Fassbinder-Preis des Mannheimer Filmfestivals), kommt aber aus dem Pool talentierter dänischer Regisseure, die international reüssieren. In seiner Heimat hat er eine erfolgreiche Komödie gedreht, die als dänische «Bridget Jones»-Variante Furore machen. Wohl deshalb verschlug es ihn nach Hollywood, wo er mit «Bridget Jones»-Star Renée Zellweger drehen durfte. Der Däne versucht der Zicke-trifft-Landeier-Formel neue Facetten abzugewinnen, drosselt das Tempo und achtet auf liebenswerte Charaktere und Details.


So fällt der Culture-Clash zwischen der Stöckel tragenden Städterin und den frommen Kleinstädtern in peinlichen Strickjacken eher lakonisch und feinsinnig als laut und trivial aus. Wie in der Minnesota-Komödie «Fargo» sind die kauzigen Hinterwäldler, Nachfahren deutscher und besonders skandinavischer Einwanderer, von bräsiger Biederkeit und einer unerschütterlichen Gutmütigkeit, die sich im Ernstfall in stille Sturheit verwandelt. Sie backen dauernd Kuchen und singen Weihnachtslieder, essen Bockwürste, trinken Schnaps - und sabotieren Lucy, als sie allzu forsche Ansagen macht.


Tatsächlich ist der Star dieser gemütlichen Romanze ihr größtes Problem: Renée Zellweger bleibt als Alphafrau ein Fremdkörper. Dieses alte Mädchen mit der kindlichen Schnute und im engen Kostümchen kann nie glaubhaft machen, wieso die Fabrikarbeiter nach seiner Pfeife tanzen sollten. Zudem absolviert Zellweger ihre Rolle sichtbar lustlos und lässt sich von Lucys tüdeliger Assistentin Blanche Gunderson (Siobhan Fallon) an die Wand spielen. Blanches sorgsam gehütetes Tapioka-Pudding-Rezept ist zwar der rettende Running Gag der Handlung. Doch selbst der gesammelte Charme der Belegschaft kann die Komödie nicht vor der Bedeutungslosigkeit retten.  (© AP)



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