Führende Klimaexperten: "Faule Kompromisse darf es nicht geben"
veröffentlicht am 20.11.2009

Angesichts eines immer rascheren Klimawandels haben die führenden Umweltberater der Bundesregierung einen Durchbruch beim UN-Gipfel in Kopenhagen angemahnt. Nötig sei politischer Wille, erklärte der Chef des Umweltbundesamts, Jochen Flasbarth, am Freitag in Berlin.
Berlin - Angesichts eines immer rascheren Klimawandels haben die führenden Umweltberater der Bundesregierung einen Durchbruch beim UN-Gipfel in Kopenhagen angemahnt. Nötig sei politischer Wille, erklärte der Chef des Umweltbundesamts, Jochen Flasbarth, am Freitag in Berlin.
«Kopenhagen muss alle wesentlichen Bestandteile eines Abkommens festlegen: vertragsfest, nicht mehr verhandelbar und naturwissenschaftlich begründet. Faule Kompromisse darf es nicht geben.» Eine Vertagung der Lösung komme nicht in Frage.
Aus wissenschaftlicher Sicht schreite der Klimawandel eher schneller voran als noch 2007 vom Weltklimarat IPCC angenommen. Dies gelte auch für den Anstieg beim Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2).
Die Hinweise aus der Wissenschaft häuften sich, dass sich die Menschheit bedenklich nahe an kritische Kipppunkte im Klimasystem heranbewege. «Die Politik muss sich in Kopenhagen endlich ihrer Verantwortung stellen und das Risiko gefährlichen Klimawandels begrenzen» verlangte Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. «Alles andere wäre eine politische Bankrotterklärung.»
Jüngste Forschungsergebnisse zeigten, dass der Menschheit nur noch ein begrenztes Budget an CO2-Emissionen zur Verfügung steht, wenn die kritische Grenze von zwei Grad Celsius über vorindustriellem Niveau nicht überschritten werden solle. Für eine Zwei-Drittel-Chance, das Zwei-Grad-Ziel einzuhalten, dürften insgesamt nur noch 750 Milliarden Tonnen CO2 aus fossilen Quellen in die Atmosphäre gelangen. Ausgehend von heutigen Emissionen wäre dieses Budget bereits in 25 Jahren ausgeschöpft.
Somit müsse der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen bis 2050 auf deutlich weniger als die Hälfte des Werts von 1990 gesenkt werden. Die Industrieländer seien gefordert, ihre Emissionen sogar um mindestens 80 Prozent zu senken. Schon vor 2020 müsse eine Trendumkehr bei den Emissionen erreicht werden.
Selbst wenn die Emissionen ab 2015 sinken würden, würde dies eine Emissionsminderung von fünf Prozent pro Jahr bedeuten, wie es weiter hieß. Zum Vergleich: Das Kyoto-Protokoll verlangt von den Industrienationen eine Minderung in der gleichen Größenordnung in einem Zeitraum von zwanzig Jahren.
Was bisher für die Verhandlungen in Kopenhagen geboten ist, reiche physikalisch nicht aus, um die Zwei-Grad-Linie zu halten, betonte der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen. Die Vorschläge seien «unambitioniert», meinte Vizechef Dirk Messner. «In jedem Fall muss in Kopenhagen die Verabschiedung von Alibizielen vermieden werden.»
Noch sei eine Lösung möglich, erklärte Manfred Fischedick, Vizepräsident des Wuppertal Instituts. Sie liege im konsequenten Ausbau erneuerbarer Energien und der Ausschöpfung der Potenziale zum Energiesparen. (© AP)




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