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Lafontaine lässt sich nichts anmerken

veröffentlicht am 18.11.2009


Wie so oft stiehlt Oskar Lafontaine allen die Schau, und doch hätte er dieses Mal vermutlich gerne darauf verzichtet: Nur einen Tag vor seiner geplanten Krebsoperation redet der 66-jährige Chef der Linkspartei am Mittwoch im saarländischen Landtag. Schon vor seinem ersten Auftritt an dieser Stelle seit elf Jahren sind Dutzende von Kameras und Mikrofonen auf den ehemaligen Ministerpräsidenten gerichtet, die Regierungserklärung von Ministerpräsident Peter Müller (CDU) gerät für die vielen angereisten Journalisten eher zur Nebensache.

 

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Saarbrücken - Wie so oft stiehlt Oskar Lafontaine allen die Schau, und doch hätte er dieses Mal vermutlich gerne darauf verzichtet: Nur einen Tag vor seiner geplanten Krebsoperation redet der 66-jährige Chef der Linkspartei am Mittwoch im saarländischen Landtag. Schon vor seinem ersten Auftritt an dieser Stelle seit elf Jahren sind Dutzende von Kameras und Mikrofonen auf den ehemaligen Ministerpräsidenten gerichtet, die Regierungserklärung von Ministerpräsident Peter Müller (CDU) gerät für die vielen angereisten Journalisten eher zur Nebensache.


Doch Lafontaine lässt sich kein Statement zu seiner Erkrankung entlocken. Wortlos geht der Vormann der Linken punkt 09.00 Uhr in den Plenarsaal. Auch gut vier Stunden später, zu Beginn der Mittagspause, bittet er um Verständnis, dass er nur zu politischen Themen etwas sagen möchte.


Kraftlos oder deprimiert wirkt Lafontaine jedoch zu keiner Minute. Ob nur diszipliniert, oder tatsächlich gelassen: Äußerlich entspannt folgt er über eineinhalb Stunden den Ausführungen von Regierungschef Müller, sitzt auch am Nachmittag auf seinem Stuhl als Abgeordneter. Gelegentlich lächelt er amüsiert und plauscht mit seinen Fraktionskollegen, die er schon am Montag über seine Erkrankung informiert hat.


Dem SPD-Landeschef Heiko Maas gratuliert er zu dessen scharfer Replik auf die Regierungserklärung seines CDU-Rivalen und kritisiert dann selbst, wenn auch etwas gemäßigter im Ton, dass die bundesweit erste Jamaika-Koalition keine Antworten auf den katastrophalen Zustand der Landesfinanzen habe. Als einziger Redner spricht der FDP-Fraktionsvorsitzende Horst Hinschberger auch im Plenum seine Erkrankung an und wünscht ihm öffentlich alles Gute.


Andere Politiker äußern sich lieber auf den Gängen des Parlaments. «Politisch trennen uns Welten, aber hier geht es um den Menschen Lafontaine, und dem Menschen Lafontaine wünsche ich alles Gute», diktiert etwa Müller den Journalisten in die Blöcke. Er schüttelt Lafontaine auch die Hand. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Linken, Heinz Bierbaum, gibt sich optimistisch: Er rechne damit, dass Lafontaine im Januar wiederkomme.


Ob der Zeitpunkt der Mitteilung seiner Krankheit von Lafontaine bewusst gewählt war, bleibt an diesem Tag in Saarbrücken offen. Der Einleitungssatz der schriftlichen Erklärung ließ einen Zusammenhang mit den Gerüchten vermuten, die das Magazin «Der Spiegel» am Wochenende über die Gründe seines Rückzugs vom Fraktionsvorsitz im Bundestag in Umlauf gebracht hatte: «Um weiteren Spekulationen vorzubeugen», hieß es da, sicherlich in Anspielung auf Berichte über eine angebliche private Affäre Lafontaines in Berlin.


Schon einmal musste Lafontaine aus gesundheitlichen Gründen eine längere Auszeit nehmen: Kurz nach seiner Nominierung als SPD-Kanzlerkandidat stach ihn im April 1990 eine geistig verwirrte Frau nieder. Zwar kehrte Lafontaine schon nach wenigen Wochen wieder auf die politische Bühne zurück, doch litt er wie er später einräumte noch jahrelang unter Angstzuständen. Die psychischen Folgen hat er offenbar überwunden, die Narbe am Hals ist aber bis heute sichtbar.  (© AP)



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