Oberstleutnant als Spion vor Gericht
veröffentlicht am 18.11.2009

Ein für den Bundesnachrichtendienst tätiger Oberstleutnant muss sich seit Mittwoch wegen Spionage vor dem Oberlandesgericht München verantworten. Die Bundesanwaltschaft wirft dem 42-jährigen Anton K. die Offenbarung von Staatsgeheimnissen in einem besonders schweren Fall vor.
München - Ein für den Bundesnachrichtendienst tätiger Oberstleutnant muss sich seit Mittwoch wegen Spionage vor dem Oberlandesgericht München verantworten. Die Bundesanwaltschaft wirft dem 42-jährigen Anton K. die Offenbarung von Staatsgeheimnissen in einem besonders schweren Fall vor. Als Mitarbeiter des deutschen Verbindungsbüros in Pristina und der deutschen Botschaft in Mazedonien gab der Bundeswehr-Soldat demnach «operative Detailkenntnisse zum Kosovo» an seinen mitangeklagten Dolmetscher Murat A. weiter, der sie an die Mafia oder einen fremden Geheimdienst verkaufen wollte.
Außerdem sollen beide das Auswärtige Amt mit falschen Abrechnungen um rund 15.000 Euro betrogen haben. Dem Offizier, der von 2005 bis 2008 in Pristina und Skopje stationiert war, und dem Dolmetscher, der sein Liebhaber war, drohen nun bis zu zehn Jahre Haft. Beide sind seit April in Untersuchungshaft. Das Oberlandesgericht hat bis März 2010 insgesamt 27 Verhandlungstage angesetzt.
Die beiden geschiedenen Männer hatten ab 2005 eine Liebesbeziehung geführt. Ab 2007 habe der Oberstleutnant dem 29-jährigen Murat A. umfangreiche operative Geheimdokumente zum Kosovo zugänglich gemacht, indem er sie im gemeinsamen Schlafzimmer liegenlassen, auf dem Laptop des Mazedoniers geöffnet oder einfach ausgeplaudert habe. Mit insgesamt 22 falschen Abrechnungen habe das Paar den Staat außerdem um 14.700 Euro betrogen, heißt es in den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft.
Ein Antrag der Verteidiger auf Aussetzung des Prozesses wies das Oberlandesgericht ab. Die Anwälte hätten zwar nicht ausreichend Einsicht in zwei BND-Aktenordner mit wichtigen Zeugenaussagen erhalten, aber aufgrund eigener Versäumnis, erklärte der Senatsvorsitzende Bernd von Heintschel-Heinegg. (© AP)




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