Folgen des Klimawandels könnten Finanzkrise übertreffen
veröffentlicht am 17.11.2009

Führende Ökonomen in Deutschland haben eindringlich vor den Folgen eines Scheiterns des Weltklimagipfels in Kopenhagen gewarnt. «Der Klimawandel kann global enorme volkswirtschaftliche Schäden verursachen und somit ähnlich hohe negativen Folgewirkungen verursachen wie die Weltwirtschaftskrise», sagte Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Der Präsident des Umweltbundesamts, Jochen Flasbarth, warnte aber davor, den Gipfel bereits totzusagen.
Düsseldorf - Führende Ökonomen in Deutschland haben eindringlich vor den Folgen eines Scheiterns des Weltklimagipfels in Kopenhagen gewarnt. «Der Klimawandel kann global enorme volkswirtschaftliche Schäden verursachen und somit ähnlich hohe negativen Folgewirkungen verursachen wie die Weltwirtschaftskrise», sagte Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Der Präsident des Umweltbundesamts, Jochen Flasbarth, warnte aber davor, den Gipfel bereits totzusagen.
Kemfert, die beim DIW die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt leitet, sagte bei «Handelsblatt Online», der Klimagipfel sei «das wichtigste Treffen für den Klimaschutz aller Zeiten». Denn die Nationen müssten jetzt die Krise nutzen und gezielt die Klima- und Energiekrise vermeiden.
Ähnlich äußerte sich der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn. Auf längere Sicht könne der Klimawandel deutlich dramatischere Auswirkungen haben als die gegenwärtige Wirtschafts- und Finanzkrise, sagte er ebenfalls bei «Handelsblatt Online». Im Unterschied zur Finanzkrise werde dies aber wohl «ein längerfristiger Prozess» sein.
Umgekehrt könne das rechtzeitige Angehen dieser Probleme nicht nur Schäden verhindern, sondern über vermehrte Investitionen sogar Wohlstand schaffen. «Davon dürften dann jene Volkswirtschaften besonders profitieren, die zuerst und am schnellsten in diese Richtung marschieren», sagte Horn.
Der Direktor des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, warnte dagegen vor vorschnellen Schlüssen. «Eine Kollapsdrohung, die wissenschaftlich nicht gestützt werden kann, ist keine gute Kulisse für die Verhandlungen in Kopenhagen», sagte Hüther. «Es wird dabei um einen fairen Interessenausgleich der Industrieländer einerseits und der Schwellen- und Entwicklungsländer andererseits gehen.»
Der Chefvolkswirt der Dekabank, Ulrich Kater, warnte, die Themen Klimaschutz und Finanzmarktkrise zu vermengen. «Handlungsrezepte aus dem einen Feld für das andere abzuleiten ist schwierig, ein Vergleich von Schadensbilanzen wohl nicht besonders sinnvoll», sagte Kater. Jede dieser Herausforderungen verlange eigene Strategien zu ihrer Bewältigung.
Der Präsident des Umweltbundesamts, Flasbarth, kritisierte Kollegen, die bereits jetzt den Klimagipfel totsagten: «Ich halte überhaupt nichts davon, jetzt schon über eine zweite Runde oder einen Plan B zu sprechen. Wir haben noch genügend Zeit bis Kopenhagen, um in Kopenhagen zu einem Ergebnis zu kommen. Wenn man jetzt schon den Druck raus nimmt, dann ist das für die Verhandlungen eher schwierig», erklärte Flasbarth im ZDF-Morgenmagazin. Kopenhagen habe noch alle Chancen, und die sollte man nicht frühzeitig abschrieben. (© AP)




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