Der Gipfel-Wahn geht wieter: Schavan kündigt Wissenschaftsgipfel an
veröffentlicht am 15.11.2009

Bundesbildungsministerin Annette Schavan hat ein Treffen mit ihren Länderkollegen zum Bildungsstreik angekündigt. «Die Studenten haben ein Anrecht zu erfahren, was wir unternehmen, um die Lehre zu verbessern», zitierte sie der «Focus» am Sonntag. Der Präsident der Kultusministerkonferenz, Henry Tesch, kritisierte in der «Bild am Sonntag» die Hochschulleitungen wegen mangelnder Flexibilität.
Berlin - Bundesbildungsministerin Annette Schavan hat ein Treffen mit ihren Länderkollegen zum Bildungsstreik angekündigt. «Die Studenten haben ein Anrecht zu erfahren, was wir unternehmen, um die Lehre zu verbessern», zitierte sie der «Focus» am Sonntag. Der Präsident der Kultusministerkonferenz, Henry Tesch, kritisierte in der «Bild am Sonntag» die Hochschulleitungen wegen mangelnder Flexibilität. Auch der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Peter Strohschneider, räumte handwerkliche Fehler ein.
Am vergangenen Freitag hatten bundesweit Studierende an mehr als 50 Hochschulstandorten nach Angaben des Studierenden-Dachverbandes fzs Hörsäle besetzt. Sie fordern Nachbesserungen bei der Bologna-Reform zur Angleichung der europäischen Studienordnungen. Die Streikenden verlangen bessere Lernbedingungen, mehr Mitbestimmung und die Abschaffung der Studiengebühren. Am kommenden Dienstag soll ein weiterer bundesweiter Protesttag auf die Anliegen aufmerksam machen.
Der der mecklenburg-vorpommerische CDU-Politiker Tesch nannte die Forderungen der Studenten richtig. Die Hochschulen seien jetzt in der Pflicht, auf die Forderungen einzugehen. «Sie verfügen über Freiheiten, wie sie in der Geschichte Deutschlands noch nie so ausgeprägt waren. Sie agieren mit Mitteln der Steuerzahler wie selbstständige Unternehmen.» Exzellenz-Initiativen und Forschungsförderung spülten Milliarden Euro in die Hochschulen. «Die Studienbeiträge bleiben zur Verbesserung der Lehre zu 100 Prozent bei den Universitäten, ohne dass die Länder ihre Bildungsbudgets kürzen», mahnte er.
Viele Professoren müssten sich davon verabschieden, «ihre speziellen Lehr- und Forschungsinteressen in den Vorlesungen unterzubringen». Die Kultusminister seien dagegen bereits auf die Forderungen nach Verbesserungen des Bologna-Prozesses eingegangen und hätten erste Korrekturen eingeleitet.
Strohschneider sagte dem «Focus», man habe unterschiedliche Fächer über einen Kamm geschoren. «Während einige Geisteswissenschaften mehr Struktur vertragen können, bräuchten die Ingenieurfächer eher mehr Freiheiten.» Die Bachelor-Reform sei außerdem zu einseitig auf die Verkürzung von Studienzeiten ausgerichtet gewesen, erklärte Strohschneider. Seiner Ansicht nach hat sich die finanzielle Ausstattung der Hochschulen weiter verschlechtert. «Die strukturelle Unterfinanzierung ist noch einmal um 15 Prozent gestiegen.» (© AP)




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