Zehntausende nehmen Abschied von Robert Enke
veröffentlicht am 15.11.2009

In einer tief bewegenden Trauerfeier haben 35.000 Menschen am Sonntag im Fußballstadion von Hannover Abschied von Robert Enke genommen. Redner aus Politik und Sport - wie der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff und DFB-Präsident Theo Zwanziger - würdigten den Nationaltorwart in sehr persönlichen Ansprachen als großartigen Menschen und überragenden Sportler und riefen zugleich die Gesellschaft zum Umdenken auf. «Die Welt ist nicht im Lot», sagte Wulff mit Blick auf die Depression, die Enke in den Freitod getrieben hatte.
Hannover - In einer tief bewegenden Trauerfeier haben 35.000 Menschen am Sonntag im Fußballstadion von Hannover Abschied von Robert Enke genommen. Redner aus Politik und Sport - wie der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff und DFB-Präsident Theo Zwanziger - würdigten den Nationaltorwart in sehr persönlichen Ansprachen als großartigen Menschen und überragenden Sportler und riefen zugleich die Gesellschaft zum Umdenken auf. «Die Welt ist nicht im Lot», sagte Wulff mit Blick auf die Depression, die Enke in den Freitod getrieben hatte.
An der Trauerfeier nahmen neben Fans, von denen viele schwarze Kleidung trugen, auch die komplette Nationalmannschaft mit Trainer Joachim Löw, Delegationen aller Bundesligavereine sowie hochrangige Politiker wie Bundesinnenminister Thomas de Maizière und Altbundeskanzler Gerhard Schröder teil. Im Mittelkreis des Spielfelds wurde der von weißen Blumensträußen und Kränzen umgebene Sarg aufgebahrt. Am Fußende lag ein weißes Herz aus Blumen.
Bereits kurz vor 10.00 Uhr hatte die Witwe Teresa Enke begleitet von einer Freundin das Spielfeld betreten und sich an den Sarg gestellt. Die Gäste im Stadion erhoben sich und applaudierten. Auch in allen Reden wurde Teresa Enke - begleitet von teilweise minutenlangem Applaus - größte Hochachtung für die Offenheit gezollt, mit der sie nach dem Selbstmord ihres Mannes über dessen Depression gesprochen hatte. Enke hatte sich am Dienstagabend im Alter von 32 Jahren unweit von Empede auf einer Bahnstrecke das Leben genommen.
Am Ende der Feier trug die Mannschaft von Hannover 96 den Sarg zu dem Titel «The Rose» von Lean Rimes und unter dem Applaus der Trauergäste aus dem Stadion. Viele Fans hoben ihre Vereinsschals in die Höhe und weinten. Zum Abschluss sang die 17-jährige Schülerin Alina Schmidt, die zuvor bereits das Vereinslied gesungen hatte, die Fußballhymne «You'll never walk alone».
Wulff, dessen Stimme zwischenzeitlich zu versagen drohte, kritisierte den extremen Leistungsdruck, dem Menschen nicht nur im Sport, sondern auch in anderen Berufen ausgesetzt seien: Und wer nicht funktioniere, werde schnell zum Versager abgestempelt. «Wir brauchen doch keine fehlerfreien Roboter. Wir brauchen Menschen mit Ecken und Kanten und mit allen ihren Schwächen und ihren wunderbaren Eigenschaften», sagte der CDU-Politiker.
Der Regierungschef verwies auf die überwältigende Anteilnahme in Deutschland: «Robert Enkes Tod hat das Land aufgewühlt.» Viele Menschen empfänden, dass sich etwas ändern müsse. Doch ändern müsse sich jeder einzelne, betonte Wulff. Er rief dazu auf, Sportler nicht als Übermenschen oder Versager zu sehen - sondern mit ihren Stärken, aber auch mit ihren Fehlern und und Überforderungen.
Auch DFB-Präsident Zwanziger rief zu mehr Menschlichkeit auf. Dies gelte besonders für die Welt des Fußballs. Die Fans forderte er mit Blick auf die häufig wenig thematisierten Schattenseiten des Lebens auf, das «Kartell der Tabuisierer und Schweiger» zu durchbrechen. Werte wie Maß, Balance, Fair Play und Respekt seien gefragt - «in allen Bereichen des Systems Fußballs».
Der Präsident von Hannover 96, Martin Kind, sagte: «Robert, du warst Nummer Eins im echten Sinne des Wortes.» Enke sei der Beweis gewesen, dass es im Fußball auch viel Herzliches, Persönliches und Privates gebe. Der Fußballer habe die Herzen als Sportler und Leistungsträger erobert, aber auch aufgrund seiner Natürlichkeit, Bescheidenheit und Herzlichkeit. «Robert Enke hatte nur Freunde», sagte Kind. Und dennoch habe ihm eine heimtückische Krankheit das Herz gebrochen.
Auch Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil würdigte die Stärke und Tapferkeit der Witwe Robert Enkes. Mit dem «unendlichen schweren Schritt», am Tag nach dem Selbstmord ihres Mannes vor die Öffentlichkeit zu treten, habe sie Tausenden Menschen geholfen, die wie Enke von Ängsten und Depressionen geplagt seien.
Pfarrer Heinrich Plochg, der mit der Familie Enke eng verbunden ist, erinnerte an die Schattenseiten des menschlichen Lebens: «Misserfolg, Krankheit, Niederlagen, aber auch Schicksalsschläge gehören dazu», sagte er. Das alles seien keine «Schwächen, die man wegtrainieren kann, auch wenn unsere Gesellschaft das oft von uns verlangt».
Die Beisetzung des Nationaltorhüters war im kleinen Kreis auf dem Friedhof seines Wohnortes Empede geplant. Enke soll neben seiner Tochter Lara beigesetzt werden. (© AP)




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