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"Jenseits der Mauer": TV-Spielfilm zu Zwangsadoptionen in der DDR

veröffentlicht am 26.09.2009


Ein deutsch-deutscher Grenzübergang im Jahr 1974. Tiefe Nacht, Regen, Hunde, Grenzer. Ein schiefer Blick, ein falsches Wort - mehr braucht es nicht, um den Fluchtversuch der Familie Molitor zum Scheitern zu bringen.

 

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Hamburg - Ein deutsch-deutscher Grenzübergang im Jahr 1974. Tiefe Nacht, Regen, Hunde, Grenzer. Ein schiefer Blick, ein falsches Wort - mehr braucht es nicht, um den Fluchtversuch der Familie Molitor zum Scheitern zu bringen. Die Eltern werden verhaftet, die Kinder aus dem Versteck im Kofferraum gezerrt und ins Heim gebracht. Das ist der dramatische Ausgangspunkt des Films «Jenseits der Mauer», der am 30. September in der ARD zu sehen ist.


Regisseur Friedemann Fromm rückt ein besonders perfides Kapitel der DDR-Geschichte in den Fokus: Die Zwangsadoption von Kindern sogenannter Republikflüchtlinge. In seinem hochkarätig besetzten, leisen Film verzichtet er weitgehend auf Pathos und blickt auf die Opfer mit ihren seelischen Zwängen und Notlagen. «Jenseits der Mauer» ist Fromm zufolge der Versuch, Zeitgeschichte authentisch nachzubilden. Es sei die Geschichte einer Identitätssuche, die ja auch Deutschland lange begleitet habe.


Nach der Verhaftung wird das Ehepaar Molitor (gespielt von Edgar Selge und Katja Flint) von der Staatssicherheit vor eine grausame Wahl gestellt: Sie dürfen mit ihrem Sohn ausreisen, müssen aber ihre zweijährige Tochter in der DDR zur Adoption freigeben. Oder sie bleiben im Osten inhaftiert und verlieren beide Kinder. Schweren Herzens gehen die Eltern in die BRD, wo sie, gequält von Schuldgefühlen, wieder Fuß zu fassen versuchen.


Ihre Tochter Miriam, die inzwischen Rebecca heißt, wird von dem Stasi-Offizier Frank Pramann (Herbert Knaup) und dessen Ehefrau (Ulrike Krumbiegel) adoptiert und ahnt auch 15 Jahre später nichts von ihrer wahren Herkunft. Im Wendejahr 1989 ist aus Rebecca ein normaler ostdeutscher Teenager geworden, der heimlich Madonna hört, von West-Jeans träumt und die erste Liebe erlebt. Bis die Siebzehnjährige von der erzwungenen Adoption erfährt und ihre Identität infrage stellt.


«Die Kluft ist auch 20 Jahre nach dem Mauerfall noch da, die unterschiedlichen Mentalitäten, das muss man akzeptieren», sagte Herbert Knaup der AP. Knaup hat sich bereits für seine Rolle im Erfolgsfilm «Das Leben der Anderen» mit der deutsch-deutschen Teilung beschäftigt: «Wahrscheinlich werden erst die jüngeren Generationen dieses Ost-West-Gefälle lösen können.»


Die besten Momente von «Jenseits der Mauer» sind die, in denen sich die Perfidie des Systems selbst entlarvt. Wenn Rebecca sich bei ihrem Adoptivvater beklagt, dass sie noch 40 Jahre warten muss, bis sie nach Paris reisen darf: «Wir werden Paris nie zusammen sehen.» Oder wenn der Ingenieur Molitor erfährt, dass ihn seine Frau seit Jahren für die Stasi ausspioniert, um Kontakt zur Tochter zu bekommen.


15 Jahre nach dem Fluchtversuch kommt es zum Wiedersehen zwischen Rebecca/Miriam und ihren leiblichen Eltern. Wieder nachts, wieder an einem Grenzübergang, dieses Mal inmitten tausender feiernder Menschen. Es ist die Nacht zum 10. November 1989, die Nacht des Mauerfalls.


Das Schicksal der Familie Molitor ist fiktiv, beruht aber auf realen Fällen von Zwangsadoptionen in der DDR. Mit diesen befasst sich die 45-minütige Dokumentation «Trennung von Staats wegen», die im Anschluss an den Spielfilm zu sehen ist. Betroffene Eltern und Kinder kommen zu Wort und belegen, dass Zwangsadoptionen in der DDR zwar kein Massenphänomen waren, aber auch kein Einzelfall. «Jenseits der Mauer» läuft am 30. September um 20.15 Uhr in der ARD. Im Anschluss folgt um 21.45 Uhr die Dokumentation «Trennung von Staats wegen».  (© AP)


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