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S-Bahn-Attacke: Zahlreiche Zeugen versuchten einzugreifen

veröffentlicht am 19.09.2009


Bei der tödlichen Gewaltorgie an einer Münchner S-Bahn-Station haben zahlreiche Zeugen des Überfalls in irgendeiner Form einzugreifen versucht. Die Darstellung, 15 Passanten hätten tatenlos zugesehen, sei «schlichtweg falsch», sagte Staatsanwalt Laurent Lafleur dem «Focus» laut Vorabmeldung vom Samstag. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft bestätigte einen «Spiegel»-Bericht, wonach sogar ein Mann vom gegenüberliegenden Bahnsteig auf die Gleise sprang, um einzugreifen.

 

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München - Bei der tödlichen Gewaltorgie an einer Münchner S-Bahn-Station haben zahlreiche Zeugen des Überfalls in irgendeiner Form einzugreifen versucht. Die Darstellung, 15 Passanten hätten tatenlos zugesehen, sei «schlichtweg falsch», sagte Staatsanwalt Laurent Lafleur dem «Focus» laut Vorabmeldung vom Samstag. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft bestätigte einen «Spiegel»-Bericht, wonach sogar ein Mann vom gegenüberliegenden Bahnsteig auf die Gleise sprang, um einzugreifen. Er habe jedoch umkehren müssen, da in diesem Moment eine S-Bahn eingefahren sei.


Zu Vorwürfen der unterlassenen Hilfeleistung hatten die Ermittler in den vergangenen Tagen immer wieder betont, dies habe sich bislang nicht bestätigt. «Bisher gibt es nicht den geringsten Hinweis darauf, dass irgendjemand sich der unterlassenen Hilfeleistung schuldig gemacht haben könnte», bekräftigte Lafleur. Den Ermittlern zufolge versuchten Zeugen, die Schläger durch Zurufe zu stoppen, zudem gingen mehrere Notrufe bei der Polizei ein.


Der Sprecherin der Staatsanwaltschaft zufolge leisteten ein älterer Mann und eine Arzthelferin sowie eine weitere Person, bei der es sich laut «Spiegel» um einen Gymnasiasten handeln soll, Erste Hilfe. Von 20 Zeugen hatten die Ermittler bis zum Donnerstag 17 vernommen, deren Aussagen sich weitgehend deckten.


Der 50-jährige Geschäftsmann war am vergangenen Samstag von zwei Jugendlichen mit mehr als 20 Faustschlägen und Fußtritten umgebracht worden. Der Mann hatte vier Kinder vor einem Raubüberfall der beiden Täter schützen wollen. Gegen diese wurde ebenso Haftbefehl erlassen wie gegen einen Komplizen, der zwar an dem Raubüberfall, aber nicht an der Tötung beteiligt war.


Der «Focus» berichtete weiter, einer der beiden Schläger habe am 20. Juli im Internet gedroht, eine Polizeiwache in die Luft zu jagen. Die Staatsanwaltschaft ermittele seither wegen Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten. Demnach schrieb Markus S., er wolle «ein Bullenrevier» sprengen - «natürlich voll besetzt». Die Staatsanwaltschaft äußerte sich mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht dazu.


Einer der beiden mutmaßlichen Täter hatte bei der Tat rund 1,8 Promille Alkohol im Blut. Der Münchner Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer, forderte laut «Focus», «Alkoholeinfluss sollte künftig strafverschärfend wirken». Immer mehr Jugendliche betränken sich wild, manche seien dann völlig hemmungslos.


Politik und zuständige Behörden verwahrten sich unterdessen gegen Vorwürfe, sie hätten die Gefährlichkeit der Täter nicht erkannt und seien viel zu milde mit ihnen verfahren. «Die Justiz hat weder zu lasch noch zu langsam reagiert», zitiert «Focus» die bayerische Justizministerin Beate Merk. Der weitaus größte Teil der straffälligen Minderjährigen falle einmal und nie wieder auf. «Wir können nicht alle Jugendlichen nach den ersten Auffälligkeiten dauerhaft wegsperren», sagte Merk.


Die Münchner Jugendamts-Chefin Maria Kurz-Adam wird zitiert, in der Nachschau könne sie in ihrer Behörde «kein Fehlverhalten oder Versäumnisse» erkennen. Gleichwohl werde sie den Fall «noch einmal genau prüfen und versuchen, die prognostische Arbeit so zu verbessern, dass Schlägerkarrieren leichter erkannt werden». Das sei man dem Opfer schuldig. Medienberichten zufolge standen die drei Jugendlichen schon seit Jahren unter Beobachtung des Kreisjugendamtes.  (© AP)



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