(Update 2) - Commerzbank stellt sich ihren Aktionären

veröffentlicht am 23.05.2012


Nicht nur die Raumtemperatur bei der Hauptversammlung der Commerzbank ist hoch sondern auch die Gemüter der Aktionäre sind erhitzt. Insbesondere der schlechte Aktienkurs der Bank und die gestiegenen Vorstandsgehälter sorgen für lauten Unmut. Die Erhöhung der Gehälter sei "eine Dreistigkeit", stellt ein Aktionär fest.

 

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Frankfurt - Nicht nur die Raumtemperatur bei der Hauptversammlung der Commerzbank ist hoch sondern auch die Gemüter der Aktionäre sind erhitzt. Insbesondere der schlechte Aktienkurs der Bank und die gestiegenen Vorstandsgehälter sorgen für lauten Unmut. Die Erhöhung der Gehälter sei "eine Dreistigkeit", stellt ein Aktionär fest. "Unanständig" nennt ein anderer die Vergütungen.


Aufsichtsratsvorsitzender Klaus-Peter Müller verteidigt hingegen die Entscheidung seines Gremiums, die Deckelung für die Gehälter der Vorstände aufzuheben. Dabei habe es sich keineswegs um eine Gehaltserhöhung, sondern lediglich um die Umsetzung des 2010 gebilligten Vergütungssystems gehandelt. "Ich halte die Entscheidung des Aufsichtsrates, die Deckelung der Vorstandsgehälter nicht zu verlängern für unbedingt geboten", sagte Müller. Die Gehälter seinen seit 2008 "signifikant unterhalb des Marktniveaus angesiedelt".


Commerzbank-Chef Martin Blessing beispielsweise erhält nun für das laufende Jahr 1,3 Milliarden Euro, bislang war sein Gehalt bei 500.000 Euro gedeckelt. Zum Vergleich: Der ehemalige Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann strich für das vergangene Jahr in Summe 6,3 Millionen Euro ein.


Im Restrukturierungsgesetz vom Dezember 2010 war eine Aufhebung der Deckelung der Vorstandsgehälter für den Fall vorgesehen, dass die Commerzbank entweder die stillen Einlagen voll verzinst oder mindestens die Hälfte der Staatshilfen zurückzahlt. Da letzteres von der zweitgrößten deutschen Bank umgesetzt wurde, bestand kein Grund mehr für den Aufsichtsrat, die Gehaltsdeckelung ins Jahr 2012 zu verlängern.


Trotzdem sei die Nachricht zur "Unzeit" gekommen, schließlich würden die Aktionäre seit Jahren leer ausgehen, urteilte ein Aktionär. Ein anderer stellte fest, dass der Vorstand erst eine Gehaltserhöhung verdiene, wenn für die Anteilseigner wieder eine Dividendenzahlung drin sei.


Der Unmut der Aktionäre ist verständlich: 2008 hat die Commerzbank zum letzten Mal Dividende für das Jahr 2007 gezahlt - einen Euro je Aktie. Allerdings waren seinerzeit wesentlich weniger Commerzbank-Aktien auf dem Markt. Es kam die Finanzkrise und bescherte der Bank 2008 Verluste, sie erhielt 18,2 Milliarden Euro Staatshilfe durch den Bankenrettungsfonds SoFFin, der dafür unter anderem rund 25 Prozent der Aktien übernahm. Seither schaffte es die Commerzbank nach Handelsgesetzbuch nicht wieder in die Gewinnzone, so dass Dividendenzahlungen gesetzlich nicht möglich waren. Aus dem gleichen Grund wurde bislang auch die stille Einlage des SoFFin nicht verzinst.


Für 2012 verspricht Commerzbank-Chef Martin Blessing zwar ein solides operatives Ergebnis in der Kernbank und das trotz eines anhaltend niedrigen Zinsniveaus und der Staatsschuldenkrise. Eine Gewinnausschüttung stellt er aber erst für das Jahr 2013 wieder in Aussicht. Auf Grund der nach verschiedenen Kapitalerhöhungen gestiegenen Menge der Aktien können Aktionäre für 2013 sicherlich nicht mit einem so reichlichen Geldsegen wie noch 2008 rechnen.


Und Blessing lässt sich per Vorratsbeschluss auf der Aktionärsversammlung nochmals die Erhöhung des Grundkapitals genehmigen. Innerhalb der kommenden fünf Jahre kann die Bank Aktien für bis zu 2,5 Milliarden Euro ausgeben. Damit könnte die Commerzbank bei Bedarf etwa die verbliebenen stillen Einlagen des SoFFin von rund 1,7 Milliarden Euro sowie die stille Einlage der Allianz von rund 750 Millionen Euro in Aktien umwandeln. Denkbar wäre aber auch eine Rückzahlung der stillen Einlagen durch eine Kapitalerhöhung, erläuterte Blessing.


Mit der Kernbank will Blessing künftig genug erwirtschaften, um wieder Dividenden zahlen zu können. Zur Kernbank zählt unter anderem das Retail- und Mittelstandsgeschäft sowie das Investmentbanking. Blessing erklärte den Aktionären, dass man in den kommenden Jahren die Profitabilität der Bank steigern wolle. Zudem setze er auf ein deutliches Wachstum in Deutschland und Polen.


Im neuen Kernsegment Immobilien- und Schiffsfinanzierung erwartet Blessing nach dem Abbau von nichtstrategischen Portfoliobestandteilen ebenfalls wieder Erfolge. Insbesondere mit der Deutschen Schiffsbank, deren Integration das Institut heute abschloss, will Blessing an die Erfolge früherer Zeiten anknüpfen. Die Schiffsbank wird mit den Resten der Eurohypo unter dem neuen Segment verschmolzen. Die Staatsfinanzierung sowie Teile der Immobilienfinanzierung aus der Eurohypo werden abgewickelt.


Die Aktionäre bleiben gegenüber den Versprechungen skeptisch. Die Bank stecke bis zu den Knien im Dreck, sagte eine Aktionärin. Ein weiterer Anleger misstraut der Ankündigung Blessings, dass es für 2013 eine Dividende geben könne. "Da möchte ich viele Fragezeichen dahinter machen. Aber wir lassen uns gerne positiv überraschen", sagte er.


Auch der Aktienkurs der zweitgrößten deutschen Bank sorgte für Aufregung. Seit Blessing Chef der Commerzbank sei, sei durch sinkende Börsenkurse 21 Milliarden Euro an Kapital vernichtet worden. Ein Aktionär witzelte sogar, dass die Commerzbank-Aktie inzwischen günstiger sei, als ein Liter Benzin. "Allerdings kommt man mit einem Liter Benzin wenigstens voran, mit der Commerzbank hab ich da so meine Zweifel", sagte er.  (© Dow Jones)


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