Weltpremiere des neuen Astra auf der IAA
veröffentlicht am 16.09.2009

Die neuen Herren sitzen in der ersten Reihe. Wenige Augenblicke bevor die Opel-Pressekonferenz auf der Internationalen Automobilausstellung am Dienstag in Frankfurt am Main beginnt, mischen sich Sberbank-Chef German Gref und Magna-Boss Siegfried Wolf unter die Zuschauer. Sie werden nicht angekündigt und nicht einmal offiziell begrüßt.
Frankfurt/Main - Die neuen Herren sitzen in der ersten Reihe. Wenige Augenblicke bevor die Opel-Pressekonferenz auf der Internationalen Automobilausstellung am Dienstag in Frankfurt am Main beginnt, mischen sich Sberbank-Chef German Gref und Magna-Boss Siegfried Wolf unter die Zuschauer. Sie werden nicht angekündigt und nicht einmal offiziell begrüßt. Und doch richtet sich sofort die Aufmerksamkeit auf das österreichisch-russische Duo, das bei Opel bald das Sagen haben wird.
Opel hatte die feste Absicht, auf der IAA nicht über die teils unschönen Schlagzeilen der letzten Tage und Wochen zu reden. Das Gezerre um den Einstieg eines neuen Investors beim angeschlagenen deutschen Autobauer, die politischen Debatten über den Sinn der 4,5 Milliarden Euro schweren deutschen Staatshilfe sollten überstrahlt werden von den neuen Produkten, darunter der neue Astra, der in Frankfurt seine offizelle Weltpremiere feierte.
Vorsichtshalber hatte Opel-Chef Carl-Peter Forster die auf der IAA zum Standardprogramm gehörenden Hintergrundgespräche mit Journalisten zur wirtschaftlichen Lage des Unternehmens kurzfristig absagen lassen. Doch der Versuch, andere Themen als die Opel-Rettung in den Vordergrund zu schieben, geht gründlich daneben.
Einen neuen Slogan stellt Opel vor. «Wir leben Autos», heißt der etwas verquere Satz, der ab sofort das altbackene «Entdecke Opel» ablöst. Dazu gibt es ein überarbeitetes Blitz-Logo. Aber die Hunderte von Journalisten, die aus aller Welt angereist sind, interessiert das am Dienstag kaum. Auch der Astra, der Ende des Jahres in den Handel kommen und Opel neuen Schub verleihen soll, stößt auf eher verhaltenes Interesse.
Das Fahrzeug strahle Qualität aus, schwärmt Forster. Es verfüge über «High Tech mit praktikablem Nutzen», eine «präzise Radführung» und guten Komfort. Dazu die Verbrauchsdaten, durchschnittlich 12 Prozent weniger als das Vorgängermodell schlucke der neue Wagen: «Wir sind sehr stolz auf unseren Astra.» Doch als die halbstündige Präsentation vorbei ist, stürmen die Pressevertreter die Bühne und bombardieren Forster und Wolf mit Fragen zur Zukunft des Unternehmens.
Zahlreiche aus Belgien angereiste Pressevertreter fragen sorgenvoll, ob die Schließung des Antwerpener Werks nun beschlossene Sache sei. Deutsche Journalisten wollen wissen, welche Perspektive denn Bochum habe, wenn das dortige Opel-Werk die Produktionsaufträge für den Astra verliere, wie es der Magna-Plan vorsieht. Auch nach Auswirkungen auf die deutschen Zulieferer wird gefragt. Werden sie jetzt Opel-Aufträge in großem Stil an Magna verlieren?
Magna-Vorstandschef Wolf gibt zumindest auf die letzte Frage eine eindeutige Antwort. «Opel muss am freien Markt einkaufen können», betont der Österreicher. Das kanadische Zulieferunternehmen habe künftig keinen Status als bevorzugter Lieferant: «Opel muss die Produkte bekommen, die für ein tolles Fahrzeug das Beste sind.» Das schließe nicht aus, dass auch Magna Teile für Opel-Fahrzeuge liefere.
Hatten die Opel-Verantwortlichen gehofft, dass nach der Entscheidung des Verwaltungsrates von General Motors, die Opel-Mehrheit an Magna und Sberbank zu verkaufen, Ruhe einkehren würde, sehen sie sich getäuscht. Manchmal scheint es, als habe sich die Zahl der Gegner seitdem vervielfacht. Nicht allein die Brüsseler Regierung protestiert gegen die Schließung des einzigen Opel-Werks auf belgischem Boden. Auch die Berliner Oppositionsparteien, allen voran die FDP, ziehen gegen den staatlich finanzierten Opel-Deal zu Felde.
Verärgert reagiert Forster darauf, dass auch in der Autoindustrie der staatlich finanzierte Magna-Einstieg bei Opel auf wenig Begeisterung stößt. So hatte Daimler-Chef Dieter Zetsche vor kurzem gefordert, der Staat dürfe nur überlebensfähigen Herstellern helfen.
«Wenn Opel weggefallen wäre, wäre die Automobilindustrie in Deutschland schwächer und nicht stärker geworden», grollt Forster am Dienstag: «Daran möchte ich auch alle anderen Hersteller nochmals erinnern.» Die übrigen Produzenten wüssten, dass Opel im mitteleuropäischen Automobilverbund eine wichtige Rolle spiele: «Es gehört dazu, dass man uns eine Chance gibt.» (© AP)




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