MÄRKTE USA/Schwache Konjunkturdaten setzen sich als Trendsetter durch

veröffentlicht am 19.04.2012


Der US-Aktienmarkt hat sich am Donnerstag im Spannungsfeld überwiegend schwacher Konjunkturdaten einerseits und positiven Schlagzeilen von der laufenden Berichtsperiode andererseits bewegt. Mit zunehmender Sitzungsdauer setzten sich die schwachen Makrodaten als Trendsetter durch. Der einigermaßen positive Verlauf der Auktion spanischer Staatsanleihen wurde zwar zur Kenntnis genommen, für echte Entspannung sorgte er aber nicht.

 

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New York - Der US-Aktienmarkt hat sich am Donnerstag im Spannungsfeld überwiegend schwacher Konjunkturdaten einerseits und positiven Schlagzeilen von der laufenden Berichtsperiode andererseits bewegt. Mit zunehmender Sitzungsdauer setzten sich die schwachen Makrodaten als Trendsetter durch. Der einigermaßen positive Verlauf der Auktion spanischer Staatsanleihen wurde zwar zur Kenntnis genommen, für echte Entspannung sorgte er aber nicht. "Der Markt wird auch künftig jede Versteigerung kritisch hinterfragen", erwartete ein Analyst. Derzeit sei die alles bestimmende Sorge, dass das Lund seine Volumenziele erreiche und dies sei am Berichtstag dank der fortgesetzten Unterstützung durch die heimischen Banken gelungen.


Der Dow-Jones-Index verlor 0,5 Prozent auf 12.964 Punkte, der S&P-500 gab 0,6 Prozent auf 1.377 Zähler ab und der technologielastige Nasdaq-Composite sank um 0,8 Prozent auf 3.008 Stellen. Umgesetzt wurden rund 0,82 (Mittwoch: 0,72) Milliarden Aktien. Dabei wurden 1.246 (1.001) Kursgewinner und 1.766 (2.020) minus verlierer gezählt, während 128 (106) Titel unverändert schlossen. "In den vergangenen zwei Sommern konnte man aus makroökonomischer Sicht durchaus Kaufargumente finden, der Markt gab aber jeweils leicht nach. Anleger bereiten sich auf diese Phase vor und agieren daher zurückhaltend", sagte Marktstratege Matt Lloyd von Advisors Asset Management.


Allerdings machten Händler auch handfeste Gründe für die Abgaben aus. Gebremst wurde die Kursentwicklung von erneut schwächer als erwartet ausgefallenen Wochendaten vom US-Arbeitsmarkt. "Das ist nun schon die neunte Woche, in der die Markterwartung verfehlt wurde", kommentierte ein Händler ernüchtert. Der gleitenden Vierwochendurchschnitt der Erstanträge auf Leistungen der Arbeitslosenversicherung stieg auf den höchsten Stund seit Januar.


Negativschlagzeilen lieferte auch der Philadelphia-Fed-Index für April, der die Marktprognosen verfehlte. Dagegen kamen vom Krisenherd Immobilienmarkt unterschiedliche Signale. Die Zahl der Verkäufe bestehender Häuser sank zwar auf Monatssicht, obwohl Volkswirte einen leichten Anstieg prognostiziert hatten. Gleichwohl stellte das erste Quartal als Ganzes den besten Jahresstart seit 2007 dar. Die Frühindikatoren deuteten auf ein anhaltendes Wirtschaftswachstum in den USA, was den Markt aber nicht stützte.


"Wenn die US-Notenbank kommende Woche zusammenkommt, wird es keine dritte Runde an quantitativen Lockerungen zur Ankurbelung der Wirtschaft gaben. Aber die Rufe könnten lauter werden", kommentierte ein Händler den Datenkranz. China scheint da schon einen Schritt weiter zu sein. Die aufstrebende Wirtschaftsmacht will die Wirtschaft über geldpolitische Lockerungen ankurbeln. Anleger gingen derweil am US-Finanzmarkt auf Nummer sicher und kauften bei den US-Anleihen zu. Die Notierungen der US-Staatsanleihen wurden vor allem von den schwachen Arbeitsmarktdaten gestützt. Die Rendite zehnjähriger Titel fiel deutlicher unter die Marke von 2,00 Prozent. Auch die anhaltenden Sorgen über die Schuldenkrise in der Eurozone blieben ein Kaufargument für die US-Schuldtitel.


Gebremst wurde die Talfahrt am Aktienmarkt durch die überwiegend positive Resonanz auf die veröffentlichten Geschäftsberichte. Die Aktien von eBay schnellten um 13,2 Prozent auf 40,62 Dollar empor. Das virtuelle Auktionshaus hat überraschend gute Quartalszahlen präsentiert und seine Ertragserwartungen angehoben. Auch Travelers, Bank of America und Morgan Stanley veröffentlichten Geschäftszahlen. Travelers schnitt besser als erwartet ab.


Im Parallelflug überraschten die US-Banken Morgan Stanley und Bank of America positiv. Auf den ersten Blick waren die Geschäftszahlen gar nicht gut. Der Gewinn von Bank of America brach um zwei Drittel ein. Die Investmentbank Morgan Stanley wies gar einen Verlust aus, nachdem sie ein Jahr zuvor noch knapp eine Milliarde verdient hatte. Beide Institute hatten allerdings ihre eigenen Verbindlichkeiten neu bewerten müssen. Bank of America drehten ins Minus und gaben 1,7 Prozent auf 8,77 Dollar ab. Morgan Stanley stiegen dagegen um 2,3 Prozent auf 18,07 Dollar und Travelers um 3,7 Prozent auf 61,69 Dollar, womit der Wert die Liste der Gewinner im DJIA anführte.


Qualcomm hat hingegen einen enttäuschenden Ausblick gegeben, was die Aktie um 6,6 Prozent auf 62,57 Dollar nachgeben ließ. Der Chemiekonzern DuPont hat im ersten Quartal dank seines florierenden Agrargeschäfts und höherer Preise sowohl seinen Umsatz als auch seinen Nettogewinn leicht gesteigert. Die Erlöse übertrafen die Erwartungen leicht. Die Aktie zeigte sich dennoch mit einem Abschlag von 1,2 Prozent auf 52,61 Dollar, Händler bemängelten die Umsatzentwicklung bei Titanoxid.


Der Mobilfunkanbieter Verizon hat im ersten Quartal dank eines starken Kundenwachstums gut verdient. Die Erwartungen wurden getroffen, die Aktie legte um 1,3 Prozent auf 38,15 Dollar zu. American Express fielen nach Geschäftsausweis um 0,8 Prozent auf 57,57 Dollar und Philip Morris um 1,1 Prozent auf 86,75 Dollar. In der zweiten Reihe katapultierten Human Genome Sciences um satte 97,6 Prozent auf 14,17 Dollar in die Höhe, das Unternehmen hat die jüngste Übernahmeofferte durch die britische GlaxoSmithKline zurückgewiesen.


Gilead Sciences kletterten nach einer positiven Medikamentenstudie zu einem Mittel aus dem Postfolio der Gesellschaft um 12,1 Prozent auf 52,25 Dollar. Am ersten Handelstag nach dem Börsengang verteuerten sich die Titel des Luxustaschenanbieters Tumi Holdings um 58,3 Prozent auf 28,50 Dollar, der Ausgabepreis hatte bei 18 Dollar gelegen. Auch das Börsendebüt des Software-Anbieters Splunk verlief äußerst erfolgreich. Nach der Schlussglocke präsentierten die Technologieschwergewichte Microsoft und AMD ihre Geschäftsberichte.


Die Ölpreise entwickelten sich äußerst volatil mit Ausflügen in positive und negative Gefilde. Der Preis für ein Barrel US-Leichtöl der Sorte WTI mit Lieferung im Mai verbilligte sich zum Settlement an der New Yorker Rohstoffbörse Nymex um 0,4 Prozent oder 0,40 Dollar auf 102,27 Dollar. Der nächstfällige Junikontrakt auf ein Fass Brent stieg an der ICE dagegen um 0,03 Dollar auf 118,00 Dollar. Bei US-Leichtöl setzten letztlich die schwachen Daten zum Arbeitsmarkt und zur Geschäftstätigkeit im Großraum Philadelphia den entscheidenden Impuls. "Mit den erneut miesen Arbeitsmarktdaten stellt sich die Frage nach der Geschwindigkeit, mit der sich die US-Konjunktur erholt. Das ist wesentlich für die Ölnachfrage", sagte ÖlAnalyst Matt Smith von Summit Energy.


Wie schon an den Vortagen erholte sich der Euro im Tagesverlauf und eroberte das Terrain jenseits der Marke von 1,31 Dollar zurück. Damit könnte es aber nach Auffassung der Barclays-Analysten bald vorbei sein. Die Experten sehen die Gemeinschaftswährung innerhalb der nächsten zwölf Monate bei 1,20 Dollar.  (© Dow Jones)



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