MÄRKTE EUROPA/Gewinne

veröffentlicht am 30.03.2012


Die europäischen Börsen haben den Freitagshandel mit Gewinnen beendet und sich damit von den vorherigen Verlusten etwas erholt. Wieder einmal war es eine Entspannung der immer wieder aufflackernden europäischen Schuldenkrise, die für Kursgewinne sorgte: Die Euro-Finanzminister beschlossen bei ihrem Treffen in Kopenhagen, die Krisenmittel zur Rettung von überschuldeten Ländern auf über 800 Milliarden Euro aufzustocken, und die spanische Regierung verabschiedete ein drastisches Sparprogramm von über 27 Milliarden Euro.

 

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Frankfurt - Die europäischen Börsen haben den Freitagshandel mit Gewinnen beendet und sich damit von den vorherigen Verlusten etwas erholt. Wieder einmal war es eine Entspannung der immer wieder aufflackernden europäischen Schuldenkrise, die für Kursgewinne sorgte: Die Euro-Finanzminister beschlossen bei ihrem Treffen in Kopenhagen, die Krisenmittel zur Rettung von überschuldeten Ländern auf über 800 Milliarden Euro aufzustocken, und die spanische Regierung verabschiedete ein drastisches Sparprogramm von über 27 Milliarden Euro.


Der Euro-Stoxx-50 erholte sich um ein Prozent auf 2.477 Punkte. Der DAX gewann ein Prozent oder 72 auf 6.947 Punkte. Der Erholung der Aktienmärkte kam auch der Anstieg des Euro zu Gute. Die Gemeinschaftswährung legte auf deutlich über 1,33 Dollar zu. Damit profitierte sie von der Entdeckung schwäbischer Tugenden in Spanien. Ob sich die Sparpläne auf Dauer gegen den Widerstand der von hoher Arbeitslosigkeit gebeutelten spanischen Bevölkerung durchhalten lassen, muss sich aber noch zeigen.


Neue US-Konjunkturdaten spielten für die Währungsentwicklung nicht die entscheidende Rolle. Sie stützen den Dollar kaum, obwohl sie insgesamt ordentlich ausgefallen waren. Der Einkaufsmanagerindex für die Region Chicago erreichte im März die Erwartungen der Analysten zwar nicht ganz, verharrte aber auf hohem Niveau. "Ungeachtet des leichten Rückgangs liegt der Chicago-PMI weiterhin auf historisch hohem Niveau," stellte Volkswirtin Viola Stork von der Helaba fest.


Die US-Verbraucher zeigen sich zuversichtlich. Höheren Ausgaben der Konsumenten wurden positiv aufgenommen, gilt doch der private Konsum als Rückgrat der US-Wirtschaft. Zudem fiel der an der Universität Michigan berechnete Index für die Verbraucherstimmung besser aus als erwartet worden war.


Leicht steigenden Renditen in Deutschland standen fallende in Italien und Spanien gegenüber. In den vergangenen Tagen waren die Anleihemärkte aus der Peripherie mit den Abgaben an den Finanzmärkten unter Druck geraten. Nun sanken die Renditen wieder: Bei italienischen Benchmarkanleihen gingen sie um 6 Basispunkte auf 5,12 Prozent zurück, bei entsprechenden spanischen Titeln um 7 Basispunkte auf 5,38 Prozent. Viola Stork verwies auf das deutlich gestiegene deutsche Haftungsrisiko im Rahmen des Rettungsschirms. Damit sei die Frage berechtigt, ob der Ruf als "sicherer Hafen" für deutsche Staatsanleihen weiter uneingeschränkt gelte.


Zahlreiche Einzelwerte, vor allem aus dem konjunktursensiblen Bereich, konnten sich von den Rückschlägen am Vortag erholen. HeidelbergCement schnellten mit dem Rückenwind einer Empfehlung von HSBC um 4,3 Prozent auf 45,39 Euro nach oben. Gefragt waren auch die zuletzt unter Druck geratenen Automobilwerte. Der Sektor der europäischen Automobilwerte stieg um zwei Prozent.


Eine Empfehlung der britischen Gesundheitsbehörde NICE für den Gerinnungshemmer Xarelto ließ die Bayer-Aktie um ein Prozent auf 52,74 Euro steigen. Damit werde auch die Position gegenüber dem Konkurrenzprodukt Pradaxa von Boehringer gestärkt, hieß es im Handel.


Auch die Finanzwerte waren gefragt. Commerzbank legten um 2,2 Prozent auf 1,90 Euro zu. Die Bank darf ihre Tochter Eurohypo mit Erlaubnis der EU-Kommission unter Auflagen in den Konzern integrieren. Allianz hinkten mit einem Plus von 0,2 Prozent auf 89,47 Euro etwas hinterher. Der Versicherer soll ein Gebot für die französische Gan Eurocourtage abgegeben haben. Wie die Financial Times Deutschland berichtet, liegt das Gebot bei weniger als 200 Millionen Euro. Ursprünglich war von einer Summe von 700 Millionen die Rede gewesen.


Nach guten Quartalszahlen und einer hohen erstmaligen Dividendenausschüttung von 0,90 Euro griffen Anleger beim MDAX-Wert GSW Immobilien zu. Die Aktie gewann 1,9 Prozent auf 25,92 Euro. Erfreut wurde auch der Dividendenvorschlag des Containerlogistikers HHLA von 0,65 Euro je Aktie aufgenommen. Das Papier rückte um 1,7 Prozent auf 25,25 Euro vor. Lanxess gewannen sogar 4,7 Prozent auf 61,98 Euro, nachdem J.P. Morgan das Kursziel für die Aktie auf 90 von 40 Euro mehr als verdoppelt hatte.


Die als defensiv, also nicht konjunktursensibel geltenden Telekomwerte, gewannen indes nur 0,2 Prozent. Telecom Italia verloren 0,9 Prozent auf 0,89 Euro. Hohe Abschreibungen hatten die Gesellschaft 2011 unter dem Strich tief in die roten Zahlen gedrückt. Der Telekomkonzern meldete für 2011 einen Nettoverlust von 4,73 Milliarden Euro. Vodafone verloren 1,3 Prozent. Auf das Unternehmen kommt aufgrund einer Gesetzesänderung in Indien möglicherweise eine steuerliche Belastung von über 2 Milliarden Dollar im Zusammenhang mit einer Akquisition aus dem Jahr 2007 zu.  (© Dow Jones)



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