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Europas Börsen rutschen ins Minus

veröffentlicht am 29.02.2012


Im Minus und mit einem klaren Themenwechsel haben sich Europas Börsen am Mittwoch aus dem Handel verabschiedet. Der mit Spannung erwartete Drei-Jahres-Tender der EZB löste keine Euphorie aus und wurde am Abend vom Blick auf die USA abgelöst. Dort weckten Äußerungen von Fed-Chef Bernanke den Verdacht, ein weiteres Gelddrucken in den USA, das sogenannte QE3, könne ausfallen.

 

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Frankfurt - Im Minus und mit einem klaren Themenwechsel haben sich Europas Börsen am Mittwoch aus dem Handel verabschiedet. Der mit Spannung erwartete Drei-Jahres-Tender der EZB löste keine Euphorie aus und wurde am Abend vom Blick auf die USA abgelöst. Dort weckten Äußerungen von Fed-Chef Bernanke den Verdacht, ein weiteres Gelddrucken in den USA, das sogenannte QE3, könne ausfallen. "Der Markt sieht es so und er sieht es aus meiner Sicht korrekt, dass mit dieser Rede QE3 gefallen ist", sagte UniCredit-Volkswirt Harm Bandholz gegenüber Dow Jones Newswires.


Zudem sprachen Händler von heftigen Gewinnmitnahmen zum Monats-Ultimo, die die Abgaben verstärkt hätten. Der Euro-Stoxx-50 fiel um 0,3 Prozent oder 8 auf 2.512 Punkte, der Stoxx-50 um 0,2 Prozent oder 5 auf 2.477 Zähler. Selbst die Bank-Branche konnte sich trotz der Zuteilung von über einen halben Billion Euro durch die EZB nur knapp im Plus halten.


Gute US-Daten und Bernanke drücken sämtliche Anlageklassen


Der Dollar reagierte auf die Möglichkeit eines Ausfallens von QE3 mit einem Höhenflug. Gold, Silber, Euro und Öl standen hingegen alle gleichzeitig unter Druck. Diese Anlagen waren als "Inflations-Schutz" gekauft worden, um einem durch Gelddrucken geschwächten Dollar zu entkommen. In Zukunft werde ein QE3 in den USA wohl wesentlich geringer als erwartet oder sogar ganz ausfallen, bzw die Zinsen dort leicht steigen. Auch US-Anleihen standen demnach unter Druck.


Fed-Chef Bernanke hatte unter anderem auf eine höhere Zunahme der Beschäftigung und einen stärkeren Rückgang der Arbeitslosenquote verwiesen. "Beschäftigung ist das A und O für die Fed, um ein QE3 zu rechtfertigen", so der Händler. Die zweite Komponente Inflation spiele auch eine Rolle in den Fed-Entscheidungen, sei aber unter Kontrolle. Zusammen mit den besseren Wirtschaftsdaten der USA sei damit das reale US-Wachstum besser als erwartet. "Kapitalumschichtungen in US-Anlagen sind dann die Folge", so der Händler. Durch einen steigenden Dollar würden zudem Europas Aktien unattraktiver.


US-Wirtschaftsdaten erneut besser


Die guten US-Daten des Tages unterstrichen, dass die US-Wirtschaft unterschätzt worden ist: Vor allem die wichtige Job-Komponente im Chicago-Einkaufsmanager-Index stieg deutlicher an. Er stieg auf 64,0 im Februar nach 60,2 im Januar. Die Prognose lag nur bei 61 Indexpunkten. Die Neuen Orders zogen auf 69,2 nach 63,6 an, die Job-Komponente sprang deutlich auf 64,2 nach zuvor 54,7 an. Das US-BIP zum vierten Quartal wurde anstelle bisheriger 2,8 Prozent auf ein annualisiertes Wachstum von 3,0 Prozent erhöht.


In den Hintergrund trat dagegen der neue Drei-Jahres-Tenders der EZB. Eine reichliche Inanspruchnahme sei bereits eingepreist gewesen, hieß es im Handel. Der Tender habe mit 530 Milliarden Euro die Schätzung von rund 500 Milliarden Euro lediglich erfüllt und biete damit keine Überraschung. Er bewegt sich damit auch nur leicht über dem Dezember-Tender von 489 Milliarden Euro. Wie die EZB mitteilte, erhielt sie von 800 Banken Gebote über 529,531 Milliarden Euro, die alle voll bedient wurden. Die Zinsen dafür liegen auf dem Rekordtief von 1,00 Prozent.


Banken mit gemischten Vorzeichen


Der Bank-Sektor zeigte sich nach dem Tender nur mit moderaten Gewinnen von 0,4 Prozent. Kursgewinner waren Unicredit mit 1,7 und Credit Agricole mit 2,2 Prozent. Credit Suisse und Royal Bank of Scotland schlossen sogar knapp über 1 Prozent im Minus. Kursgewinner mit 4,3 Prozent auf 18,83 Euro waren Erste Group Bank in Österreich. Ihnen gelang im vierten Quartal der Sprung zurück ins Plus.


Der britische Versicherer Standard Chartered schloss nach Geschäftszahlen für 2011 0,3 Prozent tiefer bei 1617,50 Pence. Allerdings lagen sie nach Einschätzung von Investec über den Erwartungen. Das institutionelle Geschäft habe zum Jahresende noch einmal zugelegt. Der Ausblick wurde von den Analysten als "robust" beschrieben.


Auch die Quartalszahlen des schweizerischen Zementherstellers Holcim waren nach Einschätzung der ZKB besser als erwartet ausgefallen. Die Aktie legte 1,2 Prozent auf 59,00 Franken zu. "Alle Regionen haben sich besser als erwartet entwickelt", sagt Martin Hüsler. Der Analyst hebt dabei die Ergebnissteigerungen im asiatisch-pazifischen Raum und in Europa hervor.  (© Dow Jones)



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