IWF schlägt EZB-Einbindung in Schuldenschnitt vor
veröffentlicht am 20.02.2012

Der Internationale Währungsfonds (IWF) will mit den Finanzministern der Eurozone am Montag Möglichkeiten diskutieren, die Schuldenlast Griechenlands bis 2020 doch noch auf die geforderte Marke von 120 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung zu reduzieren. Ein mit der Sachlage vertrauter IWF-Mitarbeiter sagte, zu den Möglichkeiten zähle eine Beteiligung der Zentralbanken an dem geplanten Schuldenschnitt.
London - Der Internationale Währungsfonds (IWF) will mit den Finanzministern der Eurozone am Montag Möglichkeiten diskutieren, die Schuldenlast Griechenlands bis 2020 doch noch auf die geforderte Marke von 120 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung zu reduzieren. Ein mit der Sachlage vertrauter IWF-Mitarbeiter sagte, zu den Möglichkeiten zähle eine Beteiligung der Zentralbanken an dem geplanten Schuldenschnitt.
Der IWF will Griechenland nur unter der Bedingung weitere Kredite geben, dass das Land langfristig in der Lage ist, seine Schuldenlast ohne fremde Hilfe zu tragen. Die hierzu vereinbarte Verschuldung von maximal 120 Prozent lässt sich mit dem Forderungsverzicht privater Gläubiger über rund 100 Milliarden Euro nicht erreichen. Das ist das vorläufige Ergebnis einer Analyse der Schuldentragfähigkeit, die der IWF am Sonntag angestellt hat.
Demnach wird Griechenlands Schuldenquote 2020 bei 129 Prozent liegen, die Schätzung für das laufende Jahr wurde auf 164 von bisher 162 Prozent angehoben. Deshalb will der IWF den Eurozone-Finanzministern vorschlagen, die Zentralbanken zu einer Beteiligung an einem Forderungsverzicht zu drängen. Würden beispielsweise die Zentralbanken die im Rahmen ihrer normalen Investitionstätigkeit erworbenen griechischen Staatsanleihen über 12 Milliarden Euro in einen Schuldenschnitt einbringen, könnte das die Schuldenquote um 3,5 Prozentpunkte reduzieren.
Noch mehr - 5,5 Prozentpunkte - wären es, würden die Zentralbanken auf Gewinne verzichten, die sie mit jenen griechischen Staatsanleihen machen würden, die sie im Rahmen der Staatsanleihekaufprogramms SMP zu Kursen erworben haben, die deutlich unter dem Nennwert lagen. Dabei handelt es sich laut IWF um 45 bis 50 Milliarden Euro.
Die Zentralbanken des Eurosystems haben ihre so erworbenen Anleihen am Freitag gegen neue Papiere umgetauscht, um sich so gegen eine zwangsweise Beteiligung an einem Schuldenschnitt zu schützen. Allerdings könnten die Zentralbanken einen Gewinn aus diesen Papiere, der sich aus der Differenz von Nennwert und Kaufpreis ergibt, an die Regierungen überweisen, die das Geld ihrerseits in das neue Hilfspaket einbringen könnten.
Eine weitere Möglichkeit zur Reduzierung der Verschuldung ist laut IWF die Senkung der Zinssätze, die Griechenland auf die Kredite des ersten Hilfspakets über 110 Milliarden Euro zahlen muss. Die Option würde den Schuldenstand um rund 1,5 Prozentpunkte verringern. Der IWF-Mitarbeiter sagte, denkbar sei auch eine Kombination all dieser Vorschläge.
Der IWF selbst wird sich an dem geplanten neuen Hilfspaket dem Vernehmen nach nur mit 13 von insgesamt 130 Milliarden Euro beteiligen.
Nach Informationen der Financial Times wollen auch die Regierungen der Eurozone die EZB zu einer Beteiligung an dem Schuldenschnitt bewegen. Die Zeitung berichtet, der Mittelbedarf Griechenlands für das zweite Paket belaufe sich auf 136 Milliarden Euro. (© Dow Jones)




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