Merkel akzeptiert Gauck als Präsidentschaftskandidaten

veröffentlicht am 20.02.2012


Es sah nach einem handfesten Koalitionskrach aus, als Juniorpartner FDP am Sonntagnachmittag der Bundeskanzlerin das einstimmige Votum des Parteipräsidiums für Joachim Gauck übermittelte und zugleich wissen ließ, die drei Kandidaten der Kanzlerin werde man nicht akzeptieren.

 

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Berlin - Es sah nach einem handfesten Koalitionskrach aus, als Juniorpartner FDP am Sonntagnachmittag der Bundeskanzlerin das einstimmige Votum des Parteipräsidiums für Joachim Gauck übermittelte und zugleich wissen ließ, die drei Kandidaten der Kanzlerin werde man nicht akzeptieren.


Doch am Abend lenkte die Kanzlerin überraschend ein, Joachim Gauck wird der gemeinsame Kandidat aller im Bundestag vertretenen Parteien mit Ausnahme der Linken. Drei Tage hatten die Koalitionäre in zähen Verhandlungen vergeblich versucht, sich auf einen gemeinsamen Kandidaten zu verständigen. Andreas Voßkuhle, Präsident des Bundesverfassungsgerichts und nach Angaben aus Regierungskreisen Merkels persönlicher Favorit, gab der Kanzlerin am Samstag einen Korb.


Auch Bundestagspräsident Norbert Lammert und Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière standen nicht zur Verfügung. Noch kurz vor dem geplanten Treffen mit SPD und Grünen am Sonntagabend - es wurde um eine halbe Stunde nach hinten verschoben - soll sich die Kanzlerin gegen Gauck gesperrt haben.


Doch das Pokerspiel der FDP, die ihrerseits die drei verbliebenen CDU-Kandidaten - Ex-Bundesumweltminister Klaus Töpfer, Ex-EKD-Ratspräsident Wolfgang Huber und Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth - ablehnte, ging auf.


Für die Kanzlerin, die sich Personalfragen üblicherweise durchsetzt, ist die Nominierung eine persönliche Niederlage. Sie wollte Gauck schon vor zwei Jahren nicht, nannte Christian Wulff den "besseren Bundespräsidenten". Sich auf den Kandidaten der SPD von damals einzulassen, hätte wie das Eingeständnis eines Fehlers aussehen können.


Doch in der Bundesversammlung, die den Bundespräsidenten wählt, hat Merkel nach einigen Wahlniederlagen auf Länderebene nur noch eine hauchdünne Mehrheit. Vor zwei Jahren noch konnte die Kanzlerin noch auf ihre Mehrheit setzen. Schon damals allerdings brauchte es drei Wahlgänge, bis ihr Kandidat Wulff wenigstens die einfache Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigen konnte.


Wohl auch deshalb wollte die Kanzlerin einen Konsenskandidaten finden. Der heißt jetzt Joachim Gauck. Gauck genießt im Volk noch immer hohe Reputation - daran erinnerte ein Demonstrant schon vor dem Rücktritt von Christian Wulff. Mit dem 72-Jährigen wird erstmals ein Ostdeutscher Bundespräsident. Wie Angela Merkel ist er an der dünn besiedelten Ostseeküste aufgewachsen. Der evangelische Theologe ist parteilich nicht gebunden und genießt große Sympathien in der Bevölkerung. 54 Prozent der Deutschen - so ermittelten die Meinungsforscher von Emnid für Bild am Sonntag - wünschten sich ihn als Bundespräsidenten. Seine Wahl gilt jetzt als sicher.  (© Dow Jones)



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