(Update) - Streik am Flughafen-Frankfurt weitet sich aus
veröffentlicht am 17.02.2012

Der zweite Streiktag auf dem Frankfurter Flughafen wird wesentlich mehr Unruhe mitbringen als der Auftakt am Donnerstagnachmittag. Rund 280 von ursprünglich geplanten 1.300 Flügen fallen aller Voraussicht nach aus. Verspätungen bei ankommenden und abfliegenden Maschinen müssen zusätzlich einkalkuliert werden.
Frankfurt - Der zweite Streiktag auf dem Frankfurter Flughafen wird wesentlich mehr Unruhe mitbringen als der Auftakt am Donnerstagnachmittag. Rund 280 von ursprünglich geplanten 1.300 Flügen fallen aller Voraussicht nach aus. Verspätungen bei ankommenden und abfliegenden Maschinen müssen zusätzlich einkalkuliert werden. Verantwortlich dafür ist ein Streik von rund 190 Mitgliedern der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF). Sie wollen ihrer Forderung nach mehr Gehalt und besseren Arbeitszeiten beim Flughafenbetreiber Fraport Nachdruck verleihen.
Gegenwärtig beißen die streikenden Mitarbeiter bei ihrem Arbeitgeber aber noch auf Granit - Fraport beharrt weiter auf der eigenen Position. Die Gewerkschaft fordert, dass der MDAX-Konzern den vom Schlichter vorgeschlagenen Kompromiss akzeptiert und damit die Tarifauseinandersetzung beendet.
Das Unternehmen lehnt diesen Kompromiss aber ab und bezeichnet die Forderung nach Gehaltsverbesserungen von bis zu 70 Prozent als "unverschämt". Allerdings will das Management mit den Mitarbeitern weiter verhandeln. Das aber wollen die Arbeitnehmer nicht. Sie begründen ihren Anspruch auf mehr Geld mit den Gehältern, die Kollegen an anderen deutschen und europäischen Flughäfen erhalten, und der Verantwortung der Tätigkeiten besser entsprechen würden.
Mit dieser Auffassung eckt die Gewerkschaft der Flugsicherung aber nicht nur bei der Geschäftsführung der Fraport AG an. Auch der Betriebsrat opponiert: "Das ist Raubrittertum und ein Tritt ins Kreuz aller anderen Beschäftigten", sagte Konzernbetriebsratsvorsitzender Edgar Stejskal. Die streikenden Mitarbeiter hätten jetzt schon ideale Arbeitsbedingungen und würden durch ihre überhöhten Forderungen den Betriebsfrieden gefährden. "Hier will sich eine kleine Gruppe zu Lasten aller bereichern".
Das ist Öl fürs Feuer des Lufthansa-Managements. Deutschlands größte Airline spricht sich seit geraumer Zeit gegen die Gründung weiterer Spartengewerkschaften aus, die nur weniger Mitarbeiter vertreten. So bezeichnet Vorstandsmitglied Stefan Lauer den Streik der Gewerkschaft als unverhältnismäßig. "Es ist absurd und untragbar, dass in jedwedem Unternehmen jedwede Gruppe für jedwede Forderung jedweden Schaden anrichten kann", sagte er. "Was wir hier erleben, ist nicht das Ausleben, sondern das Aushebeln der anerkannten tarifpolitischen Grundsätze".
Damit der Streik so wenig Chaos wie möglich verursacht, hat Fraport die bestreikten Positionen in der Verkehrsaufsicht und auf dem Vorfeld mit anderen Mitarbeitern besetzt. Die Beschäftigten auf dem Vorfeld und in der Verkehrszentrale gehören mit zu den wichtigsten Personen auf dem Rhein-Main-Drehkreuz. Sie sind dafür verantwortlich, dass die Flugzeuge die richtigen Wege zu den Start- und von den Landebahnen nehmen und auf den richtigen Parkpositionen zum Halten kommen. Außerdem kontrollieren sie Start- und Landebahnen auf Beschädigungen.
Am Vortag, dem ersten Tag des Ausstands, war das allseits befürchtete Chaos ausgeblieben. Die Arbeitsniederlegung zwischen 15 Uhr und 22 Uhr behinderte allerdings das plangemäße Starten und Landen von Maschinen. Insgesamt fielen 172 von 1.300 Flügen aus. Damit wurden rund 70 Prozent aller Bewegungen durchgeführt. Hinter den Kulissen hatten sich sowohl Fraport als auch die Airlines intensiv auf diese Situation vorbereitet und die Reisenden so früh wie möglich informiert, damit diese nicht auf dem Flughafen stundenlang warten müssen. So hatten viele Betroffene die Möglichkeit, ihre Reisen umzuplanen und beispielsweise die Bahn oder das Auto zu nehmen.
Die Fluggesellschaften strichen wegen dieser alternativen Reisemöglichkeiten vor allem Kurz- und Mittelstreckenflüge. Die Langstreckenflüge wurden indes weitestgehend durchgeführt. Die Planung für Freitag ist entsprechend.
Die Gewerkschaft zeigte sich nach dem ersten Streiktag mit dem Erreichten zufrieden. Das Ziel, den Flugverkehr in Frankfurt zu reduzieren, ist nach Angaben des Gewerkschaftssprechers Markus Siebers erreicht worden. Da der Flughafenbetreiber andere Beschäftigte mit den Aufgaben der streikenden Mitarbeiter eingesetzt habe, hätten mehr Flüge stattgefunden als angenommen. Die Gewerkschaft hatte damit gerechnet, dass nur 10 bis 15 Prozent aller Maschinen plangemäßig starten und landen.
Auch Fraport zog ein positives Resümee. "Wir haben diese Situation gut gemeistert", sagte Harrer. Gleichwohl überlegt das Unternehmen, ob es die Arbeitnehmervertreter für den entstandenen Schaden zur Verantwortung zieht. Die Höhe des Schadens könne derzeit aber noch nicht genau beziffert werden, sagte der Sprecher.
Der Einsatz des Ersatzpersonals stößt bei den Arbeitnehmern sauer auf. Siebers macht sich Gedanken um die Sicherheit und will möglicherweise die Aufsichtsbehörde des Flughafens über diese Situation zu informieren. Fraport weist diese Bedenken indes als "unbegründet" zurück. Der Flughafenbetreiber mache nur das, was er an Sicherheit verantworten könnte, sagte Harrer. Sicherheit habe oberste Priorität.
Die verhärteten Fronten scheinen derzeit kein schnelles Ende des Streiks zuzulassen. Allerdings wird es wohl für alle eine Pause geben. Eine Fortsetzung des Ausstands am Wochenende ist derzeit nicht geplant. Die Gewerkschaft will Fraport ein wenig Zeit zum Nachdenken gegeben werden.
"Sollte Fraport nicht einlenken, sind wir willens und in der Lage, das - was wir tun - sehr sehr lange fortzusetzen", sagte Siebers. (© Dow Jones)




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