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Tanken, essen und shoppen auf Firmenkosten

veröffentlicht am 09.02.2012


Auf Millionen Arbeitnehmer wartet auch dieses Jahr wieder die bittere Erkenntnis: Von der hart erkämpften Lohnerhöhung bleibt unterm Strich nicht viel übrig. So schrumpfen ansehnliche 300 Euro brutto mehr nach Abgaben und Steuern auf nicht einmal mehr die Hälfte. Am kümmerlichen Restplus nagt dann auch noch die Inflation.

 

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München - Auf Millionen Arbeitnehmer wartet auch dieses Jahr wieder die bittere Erkenntnis: Von der hart erkämpften Lohnerhöhung bleibt unterm Strich nicht viel übrig. So schrumpfen ansehnliche 300 Euro brutto mehr nach Abgaben und Steuern auf nicht einmal mehr die Hälfte. Am kümmerlichen Restplus nagt dann auch noch die Inflation.


Damit wollen sich immer weniger Beschäftigte abfinden: Abseits des üblichen Gehaltspokers liegt das Feilschen um steuer- und sozialabgabenfreie Extras bundesweit im Trend, wie Erich Nöll vom Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine (BDL) beobachtet hat. Vor allem große Arbeitgeber machten gern mit, weil auch sie profitieren und dabei kräftig Lohnkosten einsparen.


Die Palette an Schachzügen, um ganz legal an bestenfalls einige Hundert Euro netto mehr im Monat zu kommen, ist überraschend groß. So können auch Mitarbeiter kleiner Betriebe mit dem Boss aushandeln, dass sie beispielsweise auf seine Kosten im Monat im Supermarkt einkaufen, tanken, essen oder zum Frisör gehen, einen Zuschuss fürs Internet-Surfen zu Hause einstreichen, für die Kinderkrippe, die Tagesmutter oder den Anti-Stress-Kurs. Von der direkten Entlastung bei den täglich drückenden Kosten habe ein Arbeitnehmer mehr als von einer Lohnerhöhung, sind auch die Experten von der Stiftung Warentest überzeugt.


Allein mit dem Aushandeln von Einkaufsgutschein und Jobticket könnte ein Arbeitnehmer bereits circa 200 Euro mehr im Monat herausholen, ohne Abzüge, wie Thomas Schmidt von der Gesellschaft für Lohn- und Gehaltsoptimierung in Ottobrunn bei München vorrechnet. "Einfallsreichtum ist bares Geld wert", sagt Markus Deutsch vom Deutschen Steuerberaterverband.


Für Arbeitgeber seien Boni an die Belegschaft ebenso interessant, sagt Nöll. Zu den am häufigsten verhandelten Sachleistungen zählen Tankbons sowie das Jobticket für öffentliche Verkehrsmittel. Pro Monat und Mitarbeiter darf der Chef dafür 44 Euro ausgeben. Um auf den gleichen Wert zu kommen, müsste der Arbeitnehmer ein Gehaltsplus von 100 Euro brutto rausholen, betont Schmidt. Möglich ist auch, die Firma 44 Euro für den Strom oder Warenkäufe jeder Art zahlen zu lassen.


Gibt es keine Kantine, können Firmen zudem die Verpflegung ihrer Mitarbeiter sponsern. Allein mit 15 Essensbons im Monat lassen sich über 88 Euro abgabenfrei dazuverdienen. Um aufs gleiche Netto-Plus zu kommen, müsste der Chef etwa 180 Euro Gehaltserhöhung locker machen.


Einen Zuschuss von pauschal jeweils bis zu 50 Euro im Monat können Beschäftigte außerdem für ihre privaten Internet- und Mobilfunkgebühren aushandeln. "Um das gleiche Geld netto zu haben, müssten 110 Euro mehr brutto überwiesen werden", betont Schmidt.


Einen nach oben hin unbegrenzten Zuschuss darf die Firma zudem gewähren, wenn sie ihrem Mitarbeiter für zu Hause Hard- und Software überlässt wie einen Computer, ein Laptop, Telefon, Handy oder Fax. Monatlich 21 Euro sind drin, wenn der Mitarbeiter für die Firma Reklame fährt und sich einen Werbeaufkleber ans Auto pappt. Möglich ist sogar, zusätzlich zum Urlaubsgeld noch einmal eine "Erholungsbeihilfe" von über 300 Euro im Jahr zu kassieren, je nach Familiensituation.


Richtig viel Entlastung ist auch beim Thema Kinderbetreuung drin. Kriegt ein junger Vater statt 150 Euro mehr Gehalt im Monat den gleichen Betrag als Krippenzuschuss, kann er eins zu eins profitieren. Von einer Gehaltserhöhung um diesen Betrag blieben ihm gerade mal knapp 70 Euro übrig. Die Firma darf Zuschüsse für Kindergarten, Krippen, Hort oder die Tagesmutter in unbegrenzter Höhe zahlen.


Selbst beim Thema Fitness dürfen sich Arbeitnehmer unter die Arme greifen lassen. Die Firma darf Mitarbeiter bei Kursen und Trainings sponsern, die den Gesundheitszustand verbessern. Dafür sind pro Beschäftigtem jährlich bis zu 500 Euro abgabenfrei drin. Als Extra zum Gehalt sind beispielsweise Wirbelsäulen-Übungen aushandelbar, Anti-Stress- oder Burn-Out-Trainings, Entspannungskurse oder Ernährungslehrgänge. Sportvereine und Fitnessstudios müssen dagegen immer aus der eigenen Tasche bezahlt werden.  (© AP)



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