(Im Fokus) - Ackermann warnt vor Zusammenbruch der Eurozone
veröffentlicht am 05.02.2012

Der scheidende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, hat eindringlich vor einem Auseinanderbrechen der Eurozone gewarnt. Das Schicksal Europas stehe auf dem Spiel und Griechenland habe dabei eine sehr wichtige Rolle inne, sagte er am Wochenende auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Hier hatten sich hochrangige Politiker und Banker mit den Auswirkungen der Krise auf die internationale Sicherheit befasst.
München - Der scheidende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, hat eindringlich vor einem Auseinanderbrechen der Eurozone gewarnt. Das Schicksal Europas stehe auf dem Spiel und Griechenland habe dabei eine sehr wichtige Rolle inne, sagte er am Wochenende auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Hier hatten sich hochrangige Politiker und Banker mit den Auswirkungen der Krise auf die internationale Sicherheit befasst. Der italienische Ministerpräsident Mario Monti warnte bei einer Staatspleite Griechenlands vor Kollateralschäden und einer Ansteckungsgefahr.
Ackermann, der selbst am Wochenende noch nach Athen fliegen wollte, sagte, das Problem Griechenland müsse gelöst werden. Wenn das Land pleitegehe, werde "eine neue Büchse der Pandora" geöffnet. Als Chef des internationalen Bankenverbands vertritt Ackermann die privaten Gläubiger bei den Verhandlungen mit der griechischen Regierung. Die privaten Gläubiger hätten nun einen Schuldenerlass von 70 Prozent angeboten.
Monti rief indes zu mehr Zusammenhalt bei der Bekämpfung der Schuldenkrise in Europa auf. "Was wir ganz sicher nicht brauchen in Europa ist, dass Geister der Vergangenheit wieder geweckt werden", erklärte er. Es müsse nicht nur eine Lösung für die Krise in der Eurozone gefunden werden, sondern diese müsse auch harmonisch ausfallen. Die Schuldenkrise bringe alte Missverständnisse und Vorurteile zurück. Das sei extrem gefährlich, langfristig gesehen sogar gefährlicher als die Krise an sich, erklärte Monti. Er äußerte aber auch Zuversicht, dass eine Lösung der Schuldenkrise kurz bevorstehe. "Wir haben das fast geschafft", sagte er.
Auch der SPD-Politiker und ehemalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück warnt vor einer tief greifenden Erosion oder sogar einem "Kollaps" des europäischen Währungssystems. Verbunden damit wäre eine sicherlich nicht gewollte "politische Renationalisierung", sagte er in München. "Wenn wir nicht aufpassen, gehen wir in eine legitimatorische Krise unserer Gesellschaften", sagte er.
Viele Menschen hätten derzeit den Eindruck, dass Maß und Mitte des Wertesystems verloren seien, erläuterte Steinbrück. Gewinne würden privatisiert, Verluste sozialisiert. Die Menschen hätten den Eindruck, nur noch Steuerzahler zu sein, während die Finanzindustrie die Politik vor sich hertreibe. Dadurch könne das "freie marktwirtschaftliche System unter einen erheblichen Druck geraten". Diesen Trend zu verhindern, werde viel Geld kosten, auch Deutschland.
Weltbank-Präsident Robert Zoellick machte in der Diskussion deutlich, dass es nicht nur um Haushaltsdisziplin und Strukturreformen geht. "Das ist sehr schwer ohne Wachstum", sagte er. Diese Ansicht vertrat auch Investorenlegende George Soros, der aus diesem Grund ein EU-weites Konjunkturprogramm zur Überwindung der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise vorschlug. "Die Ankurbelung des Wirtschaftswachstums muss von Europa ausgehen", sagte Soros weiter. Nationale Programme seien nicht genug. Vielmehr sollten die Kräfte gebündelt werden, um große europäische Infrastrukturprojekte zu starten. Das würde sich auszahlen. "Wir müssen den Menschen zeigen, dass es Licht am Ende des Tunnels gibt." (© AP)




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