Wir sind Helden, die Ärzte und Die Sterne singen nun auch Chinesisch. Eine Woche vor der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking kommt am Freitag ein CD-Sampler in die Läden, mit der Rockbands aus dem deutschsprachigen Raum und Musiker aus der Volksrepublik den kulturellen Austausch fördern wollen.
«Poptastic Conversation China» enthält 19 Songs, von denen zehn von chinesischen Künstlern stammen, die ihre Lieder auf deutsch singen. Die anderen neun wurden von deutschen, österreichischen und Schweizer Bands auf Chinesisch eingesungen. Mit dazu gehört ein 150 Seiten starkes, zweisprachiges Buch sowie eine zweite CD des Goethe-Instituts, auf der sich zwei Mini-Sprachkurse Chinesisch und Deutsch finden - alles zum Preis von rund 19 Euro.
Die chinesische Musikszene ist unter anderem mit der Punkband Joyside, den Bluesrockern Shazi aus Peking sowie My Little Airport aus Hongkong vertreten. Susanne Messmer von der Berliner Produktionsfirma Fly Fast Concepts sagte am Mittwoch, das Projekt solle das «andere China» mit seinen verschiedenen Jugend- und Musikszenen sowie alternativen Lebensentwürfen beleuchten.
Die Sängerin von Wir sind Helden, Judith Holofernes, betonte, sie halte es angesichts der politisch schwierigen Lage in China für wichtig, sich mit den dortigen Subkulturen zu verbinden. «Menschen, die nicht dem Musik-Mainstream folgen, folgten meist auch nicht dem Meinungs-Mainstream.»
Frank Spilker, Sänger der Hamburger Band Die Sterne, sagte, ihm erscheine das in den Medien gezeichnete Chinabild oft undifferenziert. «Kein Land ist so eindimensional.» Er halte generell die Auseinandersetzung mit Musik für künstlerisch interessant, die nicht in den USA oder Europa produziert werde.
«Als würde man jemanden verkloppen»
Die frühere Musik- und Kulturjournalistin Messmer, die das Projekt organisierte, berichtete, es sei schwierig gewesen, chinesische Bands dafür zu gewinnen. So hätten etwa Bands wie Joyside zunächst Angst gehabt, sich mit unverständlichem Deutsch zu blamieren und ihr Gesicht als «coole Punks» zu verlieren.
Holofernes berichtete über die Aufnahmen, bei der stets eine Sprachlehrerin zugegen war, dass es kompliziert war, die Laute verständlich zu formulieren. Vieles habe sie an fernöstliche Actionfilme erinnert: «Teilweise muss man Sachen singen, die klingen, als würde man jemanden verkloppen.» Sie frage sich immer noch, ob ihr Gesang für das chinesische Publikum ohne weiteres verständlich sei: «Ich glaube nämlich, dass meine Sprechtrainerin sehr höflich war.»
Zungenbrecher wie Fischers Fritze
Katharina Hein von der Berliner Band Wagner & Pohl sagte, sie habe eine Strophe geschrieben, die in der chinesischen Übersetzung quasi ausschließlich aus verschiedenen O-Lauten bestanden habe. Dies habe sie zuerst an einen Zungenbrecher wie Fischers Fritze erinnert, sei aber inzwischen zu ihrer Lieblingsstrophe geworden.
Das Thema ihres Songs, der Regen, wird in China teilweise anders aufgenommen und bewertet, wie sie erfuhr. Während man hierzulande auch Schönes damit verbinde - Besinnung oder Reinigung -, assoziiere ein gebürtiger Pekinger damit eher sauren und gesundheitsschädlichen Regen, vor dem man sich schützen muss.
Sterne-Sänger Spilker sagte, das Erlernen der chinesischen Sprache stehe nun trotz der spannenden Aufnahmen nicht ganz oben auf seiner Prioritätenliste. Die Einwohnerstruktur an seinem Wohnort Hamburg St. Pauli lasse es ihm dringender erscheinen, zum Beispiel Türkisch zu lernen.
