Hilfsorganisation beklagt wachsenden Hass gegen Hilfeempfänger
Dresden - Arme Familien geraten nach Ansicht von Hilfsorganisationen wegen der Wirtschaftskrise zunehmend unter Druck. Mit der Krise entwickelten sich in Teilen der Gesellschaft «nicht zu übersehende Hassgefühle» gegen Hartz IV-Empfänger, sagte die Landesvorsitzende des Vereins sächsischer Tafeln, Edith Franke, am Freitag in Dresden. Dies sei eine gefährliche Entwicklung. Grund sei auch eine verzerrte Darstellung in der Öffentlichkeit.
Franke sagte, Leidtragende seien vor allem Kinder. Für sie sei es verheerend, wenn ihre Eltern pauschal als arbeitsunwillig und unfähig abgestempelt würden. Dabei wolle die weit überwiegende Zahl von Hilfeempfängern arbeiten, finde aber keinen Job.
Nach ihren Angaben steigt die Kinderarmut auch in vergleichsweise reichen Städten seit Jahren an. In Dresden versorgt die Tafel demnach inzwischen wöchentlich rund 11.000 Bedürftige mit Lebensmitteln, darunter viele Kinder. Vor der Hartz-Reform seien es 6.000 gewesen.
Die sozialpolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, Katja Kipping, bekräftigte unterdessen die Forderung ihrer Partei nach sofortiger Anhebung der Hilfen für Kinder auf rund 300 Euro. Zugleich warf sie der Koalition in Berlin vor, beim Konjunkturpaket die Armen vergessen zu haben. «Nur zwei Prozent der milliardenschweren Hilfen kommen bei Hilfeempfängern und Niedrigverdienern an.» Nötig sei ein Rettungsschirm gegen Kinderarmut. Die Linken veranstalten am Wochenende eine Konferenz zum Thema Kinderarmut. Tagungsort sind Räumlichkeiten der Dresdner Tafel.