Altern und Iris Berben - das scheint nicht zusammenzupassen. Die attraktive Schauspielerin wirkt deutlich jünger als 58 Jahre. Im AP-Interview spricht sie über ihre große Angst vor dem Tod, aber auch davon, in Religion und Glauben keinen Trost finden zu können. Dies sind auch Themen in dem ZDF-Film «Gott schützt die Liebenden» (Mittwoch, 20.15 Uhr). In der Verfilmung des Simmel-Romans spielt Berben eine Ex-Terroristin auf der Flucht vor ihrer kriminellen Vergangenheit. Im Folgenden der Wortlaut:
Im Film «Gott schützt die Liebenden» spielt Glaube eine zentrale Rolle - für Sie persönlich auch?
Berben: Ich bin ein großer Zauderer und Sucher, was Religion und Gott betrifft. Je älter ich wurde, desto größer wurden die Fragen, aber es gab keine Antworten. Das brachte mich zum Rückzug aus dem Katholizismus. Aber ich kenne schon die Sehnsucht nach einer höheren Macht. Wie schön wäre es, wenn man bitten könnte, dass Menschen, die man gern hat, geschützt werden. Und wenn man das Leid in der Welt sieht, wäre es natürlich leichter, wenn man jemand hätte, den man zur Verantwortung ziehen könnte. Aber das geht leider nicht so einfach. Im Namen der Religion geschah und geschieht so unendlich viel Unheil. Das nehme ich ihr übel. Ihr jeweiliger Allmachtsanspruch ist das Gefährliche. Aber natürlich ist Glaube für viele wichtig. Er gibt Kraft. Menschen, die einen Glauben haben, können Prüfungen leichter ertragen. Das ist beneidenswert.
Haben Sie Angst vor dem Tod?
Berben: Ich habe sehr große Angst vor dem Tod. Es ist die Angst, nicht mehr dabei sein und nicht mehr mitmachen zu können. In den letzten Jahren lebe ich so gerne und intensiv, auch wenn man immer häufiger wichtige Menschen verliert. Aber es wird so viel bewusster, was für eine außergewöhnliche Konstruktion dieses Leben ist. Da halte ich oft inne, um mir das bewusstzumachen. Ich würde so gerne immer weitermachen und habe unendliche Angst abzutreten. An Wiedergeburt glaube ich nicht. Mit dem Tod ist es vorbei. Als ich jung war, hatte ich noch keine Angst vor dem Tod. Damals hatte ich eher Sehnsucht danach. Wenn man anfängt seinen Platz zu suchen, herauszufinden, wer man ist und die ewige Frage nach dem Warum stellt, verzweifelt man daran. Heute ist für mich die Antwort, dass man das Leben leben sollte mit allem, was dazu gehört.
In dem Film spielen Sie eine Terroristin. Können Sie nachvollziehen, wenn jemand dazu wird?
Berben: Es geht nicht darum, das gutzuheißen. Aber man kann versuchen zu verstehen, wie es dahin kam. Natürlich sind das Verbrecher. Aber man kann herausfinden, wie sie dazu wurden.
Wie kommt es, dass es in Deutschland keine neue RAF-Generation gibt?
Berben: Es ist relativ lange ruhig. Dazu haben auch 16 Jahre Kohl beigetragen. Leute nehmen sich nicht mehr selbst in die Verantwortung, sondern geben sie gerne an Institutionen ab - wie Kohl es eingefordert hatte. Da ist eine Generation aufgewachsen, die mehr erträgt und aushält. Sie hat das Aussitzen für sich zu einer Lebensform gemacht. Eine neue RAF-Generation gibt es aber auch deswegen nicht, weil es allen noch relativ gut geht. Die heutige Generation hat andere Themen, zum Beispiel das Umweltproblem. Heute kommt der Terror eher von außen.
Die Finanzmarktkrise könnte die Situation für viele verschlechtern. Oder ist das nur eine geschürte Hysterie?
Berben: Nein, das ist keine Hysterie. Wenn der Staat solch massive Hilfsmöglichkeiten anbietet, ist es viel später als wir dachten. Mich beunruhigt die Art der Vermittlung. Ich halte auch für gefährlich und unverantwortlich, dass von einigen jetzt soziale Marktwirtschaft und Demokratie infrage gestellt werden. Denn wir alle sind durch Marktwirtschaft wohlhabender geworden. Es reden einfach zu viele mit. Und es wird zu plakativ dargestellt. Da wird die Unsicherheit der Leute ausgenutzt. Es müsste eine bessere Aufklärung stattfinden. Die Einfachheit von Schlagzeilen erschreckt mich. Es ist doch nicht entweder schwarz oder weiß, sondern viel komplexer. Aber es wird alles marktschreierischer und lauter.
Ist es nicht geradezu zynisch, ein 500-Miliiarden-Paket für Bankmanager zu schnüren?
Berben: Das Paket ist für die Gesamtheit wichtig. Ich nehme an, wenn es dies nicht gäbe, würde alles zusammenbrechen. Aber ich verstehe, wenn die Leute sagen, wie kann das sein, wo wir seit Jahren für eine kleine Erhöhung von Hartz IV kämpfen und da werden auf der anderen Seite Milliarden zur Verfügung gestellt. Umso wichtiger wäre es, die ganze Sache ohne Zynismus zu vermitteln.
