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30. November 2008
«Das Leben feiern»


Berlin - Als die britischen Altrocker von Status Quo am frühen Morgen auf die Bühne kamen, rockte der Saal. Bundespräsident Horst Köhler und seine Frau Eva Luise hielten immerhin drei Lieder durch. An den Bars flossen Champagner, Sekt und Bier in Strömen. Dazu gab es Austern, Krabben und Kalbsfilet in Hülle und Fülle. Von einer Wirtschafts- oder Finanzkrise war auf dem 57. Bundespresseball in Berlin nichts zu spüren. Rund 2.800 Gäste feierten eine rauschende Ballnacht bis in die frühen Morgenstunden am Samstag.

Zwar sagte Köhler, angesichts der Finanzkrise und der schrecklichen Anschläge in Bombay könne er nicht völlig abschalten. Trotzdem freue er sich darauf, mit seiner Frau auf dem Ball, der unter dem Motto «Metropoly» stand, zu tanzen. «Gerade in dieser Situation und bei diesen schrecklichen Ereignissen müssen wir auch etwas gegensetzen und das Leben feiern», sagte das Staatsoberhaupt. Der Mensch sei mehr als Trauer.

Das sahen viele Partygäste ähnlich. Ein gut aufgelegter SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier erklärte lächelnd, er freue sich, mit Kollegen zu reden. Und tanzen werde er auch, wenngleich er auch kein glänzender Tänzer sei, da er dies vor allem auf Schützenfesten in Westfalen gelernt habe.

Allerdings sei seine Stimmung nicht ungetrübt, schränkte er ein. «Man schüttelt am Eingang nicht alles ab. Das wird kein völlig entspannter Abend», meinte der Vizekanzler. Die Finanzkrise, die Sorge um Arbeitsplätze, der Streit in der SPD in Hessen und die grausamen Bilder aus Indien, woher er erst gerade gekommen sei, wögen schwer.

«Wer feste arbeitet, muss auch feste feiern»

Verteidigungsminister Franz Josef Jung sagte, er werde den Abend auf jeden Fall genießen. «Wer feste arbeitet, muss auch feste feiern können.» Gesundheitsministerin Ulla Schmidt sagte, selbst in Krisenzeiten gebe es keinen Grund, nicht zu feiern. Ihre Kabinettskollegin Justizministerin Brigitte Zypries erklärte, sie freue sich auf einen netten Abend mit vielen guten Gesprächen. Und Familienministerin Ursula Von der Leyen betonte: «Für mich ist das ein Abend, an dem ich mich innerlich erhole.»

Miesepetrig dagegen erschien Ex-Außenminister Joschka Fischer, der sich zu den Fragen nicht äußern wollte. Seine Frau Minu entschädigte dafür mit einem ausgefallenen, tief ausgeschnittenen Kleid.

Nicht dabei war wieder einmal Kanzlerin Angela Merkel - und dass, obwohl der Status Quo-Sänger Rick Parfitt kürzlich noch gelobt hatte, Merkel sei eine sehr attraktive Dame. Doch die Kanzlerin hatte bereits in den Vorjahren deutlich gemacht, dass der Ball nicht ihr Lieblingsveranstaltung ist. Allerdings ließ sie damit auch die Chance verstreichen, auf dem letzten Bundespresseball vor der Bundestagswahl 2009 eine gute Figur auch auf dem Tanzparkett abzugeben.

Köhler kann alles

Die machte dafür einmal mehr Eva Luise Köhler, die im eleganten schwarzen Kleid auftrat. Sie antwortete lachend auf die Frage, was ihr Mann besonders gut könne: «Er kann alles.»

Auch der FDP-Finanzexperte Rainer Brüderle war bestens gelaunt. Natürlich sei es schön, mit den Leuten, mit denen er sich im Parlament bis aufs Blut streite, auch einmal in einem anderen Umfeld zu treffen. «Wenn die was getrunken haben, sind die meistens normal», meinte er. Ein Glas Wein oder Bier entspanne die meisten.

Getränke gab es für die Gäste genügend. Zum zehnten Bundespresseball in Berlin sparten die Veranstalter auch sonst nicht: Statt wie sonst einer Bigband spielte die Staatskapelle Berlin den traditionellen Eröffnunsgwalzer für Bundespräsident Köhler und die Frau des Vorsitzenden der Bundespressekonferenz, Ursula Gößling.

Üppig war dann auch die Tombola: Ein VW Golf als Hauptpreis, eine 15-tägige Reise nach Kambodscha, Laos und Vietnam oder eine Reise zum Formel-1- Rennen nach Istanbul. Danach rockten die Musiker von Status Quo in dem ganz in Gold und Lila gehaltenen Ballsaal. Als sie nach knapp einer Stunde erst den Hit «You"re In The Army Now» und zum Schluss «Rockin" All Over The World» spielten, sangen fast alle mit, tanzten und klatschten.

Etat von einer Million Euro

Vor und hinter den Kulissen waren rund 900 Mitarbeiter, darunter 140 Köche, im Einsatz. Serviert wurden unter anderem 6.000 Austern, 100 Kilogramm Riesengarnelen und 250 Stück Kalbsfilet. 18.000 Stück Sushi wurden für den Abend gerollt.

Der Spaß kostete rund eine Million Euro, wurde nur aus Eintritts- und Sponsorengeldern finanziert. Die Eintrittskarten zum Preis für 350 Euro für eine Flanierkarte und 590 Euro für einen Tischplatz im Ballsaal waren seit September ausverkauft.

 








 
 



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