Er gehörte nach dem Mauerfall zu den Gründern der SPD in der DDR, war Vizepräsident der ersten frei gewählten Volkskammer und später Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, wo er acht Jahre lang unter Tolerierung der PDS regierte. Reinhard Höppner ist aber auch ein engagierter Christ, der als Kirchentags-Präsident mit der provokanten These für Aufsehen sorgte, die christliche Nächstenliebe auch im Umgang mit Taliban und Terroristen ernst zu nehmen. Am Dienstag (2. Dezember) wird Höppner 60 Jahre alt.
«Glaube und Politik sind zwei wichtige Elemente meines Lebens», sagt Höppner. Schließlich seien Spiritualität und Weltverantwortung zwei Seiten ein und derselben Medaille. Um für die Zukunft etwas zu bewegen, seien Gottesdienste und Diskussionen wie etwa auf Kirchentagen gleichermaßen nötig.
Als Sohn eines evangelischen Pfarrers wurde Höppner wurde am 2. Dezember 1948 in Haldensleben bei Magdeburg geboren. Neben dem Abitur absolvierte er eine Ausbildung zum Elektromonteur in einem Braunkohlewerk. Anschließend studierte er Mathematik, machte sein Diplom und promovierte. Bis zum Einstieg in die Politik war Höppner Lektor für mathematische Fachliteratur in einem Berliner Verlag.
Im Dezember 1989 schloss sich Höppner der DDR-SDP (später SPD der DDR) an. Als im März 1990 zum letzten Mal die Volkskammer gewählt wurde, zog Höppner in das DDR-Parlament ein und wurde dort zum Vizepräsidenten gewählt. Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sieben Monate später scheiterte er allerdings als Spitzenkandidat, obwohl er als einziger SPD-Politiker in Magdeburg seinen Wahlkreis gewann.
Acht Jahre Minderheitsregierung
Vier Jahre später blieb die CDU knapp vor der SPD zwar stärkste Fraktion, musste aber auf ihren bisherigen Koalitionspartner FDP verzichten. Es kam zum «Magdeburger Modell», mit dem Höppners Name bis heute verknüpft ist. Er bildete er eine Minderheitsregierung, die unter Tolerierung der PDS acht Jahre lang das Bundesland regierte, davon die ersten vier Jahre zusammen mit den Grünen.
Dem Modell einer Minderheitsregierung - zuletzt in Hessen heiß diskutiert und schließlich gescheitert - kann Höppner noch heute positive Seiten abgewinnen. Es könne zur Stärkung der Demokratie beitragen, erklärte er kürzlich. Die Regierung müsse mehr Änderungen an ihren Vorlagen hinnehmen, als das ansonsten der Fall sei. «Bei einer Minderheitsregierung wird alles viel offener im Parlament ausgetragen», sagte er.
Bei der Landtagswahl im April 2002 erlebte Höppner allerdings ein Debakel. Während die CDU unter Spitzenkandidat Wolfgang Böhmer mehr als 15 Punkte hinzugewann und mit einem Ergebnis von über 37 Prozent stärkste Fraktion wurde, verlor die SPD fast die Hälfte ihrer Stimmen und kam auf nur noch 20 Prozent - der höchste Verlust für die Sozialdemokraten bei einer Landtagswahl seit 1950. Höppner zog sich nach der Wahl aus allen Parteiämtern zurück, blieb aber noch bis Januar 2006 Mitglied des Magdeburger Landtages.
«Kirchentage haben mein Leben begleitet»
Schon seit Anfang der 70er Jahre engagiert sich Höppner, der mit einer Pastorin verheiratet ist, in der evangelischen Kirche. Er gehört dem Präsidium des Kirchentags an und war Präsident des Kirchentags 2007 in Köln. «Kirchentage haben mein Leben begleitet», sagt er. In der DDR waren solche Veranstaltungen zwar nur regional erlaubt, aber sie galten als besondere Chance, Kirche in der Öffentlichkeit zu zeigen - nicht immer ohne Brisanz.
Auch zum Abschluss des Treffens sorgte Höppner mit einem radikalen Friedensappell für Aufsehen, als er zu Gesprächen mit Taliban und Terroristen aufrief. «Nur wo auch mein Feind einen menschenwürdigen Platz hat, kann Frieden werden», sagte Höppner. An Schärfe lasse sich das Wort Gottes kaum überbieten.
