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30. Oktober 2008
Deutschlands erste ComputerSpiel-Schule steht in Leipzig


Leipzig - Eine solche Schulgründung hat es in Deutschland bisher nicht gegeben: In Leipzig sollen an der ersten ComputerSpiel-Schule Kinder ihren Eltern und Lehrern den Umgang mit den virtuellen Spielewelten näher bringen. «Schulen sollen ja für Leute da sein, die von einer Sache nichts verstehen», sagte Hartmut Warkus, Medienpädagoge an der Universität Leipzig und einer der Väter des Projekts, am Donnerstag. Und bei den Computerspielen seien es nun einmal die Erwachsenen, die Nachholbedarf hätten.

Gemeinsam mit Kai-Thorsten Buchele vom Fachbereich Medien der Leipziger Hochschule für Wirtschaft, Technik und Kultur (HTWK) hatte Warkus vor drei Jahren die Idee zu dem Projekt. Für die beiden Wissenschaftler war es wichtig, mehrere Ansätze zu bündeln: Erwachsene sollen die für sie fremde Spielewelt entdecken. Und Kinder und Jugendliche sollen ihren Eltern und Erziehern zeigen können, wie man mit dem Computer spielt. Zugleich wollen die Wissenschaftler in Erfahrung bringen, welche Fähigkeiten die jungen Spieler durch die Beschäftigung mit den Computerspielen entwickeln. «Das reicht von dem Zurechtfinden in 3-D-Welten über die Auge-Hand-Koordination bis hin zur Entwicklung von sozialer und kommunikativer Kompetenz», erläuterte Buchele.

Künstliche Barrieren vermeiden

Dabei wollten die Väter des Projektes künstliche Barrieren unbedingt vermeiden. Statt sich an einer der Hochschulen oder gar in einem der weitgehend leer stehenden Bürotrakte am Rande der Stadt anzusiedeln, war ihnen von Anfang an klar: «Wir müssen in ein lebendiges Wohngebiet.» Gemeinsam mit dem Schulverwaltungsamt wurde die Lösung gefunden. «Wir hatten ja schon das Medienpädagogische Zentrum am Humboldt-Gymnasium und was lag da näher, als die ComputerSpiel-Schule ebenfalls hier anzusiedeln», sagte Abteilungsleiterin Steffi Seifert. In einem Gebäude der Schule stand eine ehemalige Hausmeisterwohnung leer, und weil die finanziellen Möglichkeiten der Stadt keine Beteiligung an der Renovierung der Räume zuließen, fanden sich Studenten der Universität bereit, diese Aufgabe ehrenamtlich zu übernehmen.

Für die Ausrüstung der Schule mit Rechnern, aber auch mit Spielekonsolen sorgte die Leipziger Messe. «Wir konnten mit einem finanziellen Beitrag die technische Ausstattung auf hohem Niveau ermöglichen», berichtete Peggy Schönbeck. Sie ist Projektdirektorin der Computerspielemesse Games Convention und arbeitet in dieser Funktion seit Jahren mit Medienpädagoge Warkus zusammen: Er betreut auf der GC den Bereich GC family, in dessen Rahmen ein ähnlicher Ansatz verwirklicht ist, wie er jetzt in der ersten ComputerSpiel-Schule umgesetzt wird. «Die GC family findet an vier Tagen im August statt, hier soll der medienpädagogische Aspekt unserer Messe das ganze Jahr über verfolgt werden», sagte Schönbeck.

Doch die ComputerSpiel-Schule soll noch mehr leisten: «Wir wollen hier auch Forschung betreiben und die Entwicklung von Computerspielen in der Region fördern», umriss Buchele die ehrgeizigen Pläne. Schon jetzt gibt es nach seinen Angaben in Leipzig einen regelmäßigen Stammtisch von Spiele-Entwicklern. Diese sollen nun ebenfalls unter das Dach der ComputerSpiel-Schule gelockt werden. «Hier können sie dann Pädagogen und Psychologen treffen, sich aber zum Beispiel auch mit Grafikern unterhalten», sagte Buchele. Denn während von der Universität die Medienpädagogen an der ComputerSpiel-Schule tätig werden, kommen von der HTWK Studierende mit technischer Ausbildung.

«Computerspiele in Erziehung einbauen»

Studierende werden es auch sein, die sich während der Öffnungszeiten um die Besucher der ComputerSpiel-Schule kümmern. Sie alle haben Erfahrung mit Computerspielen, zudem wurden Regeln aufgestellt: «Niemand darf länger als zwei Stunden am Stück spielen, Kinder und Jugendliche müssen einen Obolus von 2 Euro entrichten, wenn sie nicht in Begleitung ihrer Eltern zum Spielen kommen», sagte Warkus. Schließlich sollten Eltern auch mitbekommen, wie man den Umgang mit Computerspielen auch im Alltag pädagogisch sinnvoll einbauen kann. «So könnte man auch überlegen, dass Kinder, wenn sie ihre gemachten Hausaufgaben für den nächsten Tag mitbringen, vielleicht eine Stunde länger spielen dürfen.»

Buchele und Warkus wären froh darüber, wenn ihre Idee von der ComputerSpiel-Schule auch über die Grenzen Leipzigs hinaus Anklang fände. «Nachahmung ist ausdrücklich erwünscht», sagte Buchele. Warkus erklärte, an allen Schulen gebe es inzwischen Computer. Warum also nicht die vorhandenen Pools öffnen, Spiele auf den Rechnern installieren und Eltern und Kinder gemeinsam spielen lassen? Wie es geht, verraten die Projekt-Erfinder gern.








 
 



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