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30. September 2008
Midlife-Crisis zum 50. Geburtstag


Washington - Zum 50. Geburtstag plagen die US-Raumfahrtbehörde NASA die typischen Symptome einer Midlife-Crisis: Sehnsüchtige Erinnerungen an lang vergangene Zeiten, Probleme, sich von einem langjährigen Partner zu trennen, und ein teurer Flirt mit einer jungen «Neuerwerbung». An ihrem Jahrestag hadert die am 1. Oktober 1958 gegründete NASA mit ihrer Identität - und mit ihrer Zukunft. Im Mittelpunkt der Ängste stehen die Raumfähren, die der NASA seit 1981 zu Diensten stehen und seither 18.449 Mal die Erde umrundet haben.

Im Jahr 2010 will die NASA ihre Raumfähren stilllegen, sobald die Internationale Raumstation (ISS) fertiggestellt ist. Eine neue Generation von Raumschiffen soll fünf Jahre später zur Verfügung stehen und dann auch wieder amerikanische Astronauten auf den Mond und eines Tages auf den Mars bringen. Doch die geplante Trennung von den Space Shuttles gestaltet sich schwierig, und hinter den Kulissen werden Pläne ausgearbeitet, um die Verrentung der Raumfähren hinauszuzögern. Der Grund: Sind die Shuttles einmal stillgelegt, haben die USA fünf Jahre lang keine eigene Möglichkeit, ins All zu gelangen. Ihre Astronauten müssten sich vielmehr von den Russen zur ISS chauffieren lassen.

Mit dieser Vorstellung fühlen sich viele unbehaglich, und auch die Präsidentschaftskandidaten John McCain und Barack Obama wollen die Shuttles länger in Betrieb halten. Das wäre allerdings mit hohen Kosten verbunden - und angesichts der derzeitigen Finanzmarktkrise scheinen große finanzielle Sprünge für die NASA nicht drinzusein. Das Ende der Shuttle-Flüge bedeutet außerdem den Verlust Tausender Arbeitsplätze, und nicht zuletzt nach dem Krieg zwischen Russland und Georgien im August ist die Nutzung russischer Raumschiffe in der Übergangsphase derzeit umstritten.

NASA-Chef frustriert

NASA-Chef Michael Griffin äußerte sich überaus frustriert über die aktuelle Situation. Er könne beim Thema Shuttle-Programme wohl nicht pessimistischer sein als zurzeit, schrieb er in einer internen E-Mail im August. In den Etatabteilungen im Weißen Haus gebe es einen regelrechten «Dschihad», die Raumfähren stillzulegen, schrieb Griffith.

Zudem muss sich die NASA mit einer Gruppe Mitarbeiter und Geschäftspartner auseinandersetzen, die in die geplanten Entwürfe für die neue Mondrakete so wenig Vertrauen haben, dass sie in ihrer Freizeit an einer billigeren Alternative arbeiten.

Da schwärmt die NASA lieber von der weiter entfernten Zukunft, und die erinnert an die Tage der Mondlandung in den 1960er Jahren. Die geplanten neuen Transportraumschiffe sollen nach dem ersten Start 2015 zunächst in der Umlaufbahn der Erde bleiben, für 2020 ist dann eine Mondlandung anvisiert. Dort soll ein Basislager errichtet werden, letztlich soll eine Reise zum Mars starten.

Eingeholt wird die Raumfahrtbehörde aber immer wieder von aktuellen Problemen. Erst am Montag wurde eine Wartungsmission für das Weltraumteleskop «Hubble» auf nächstes Jahr verschoben. «Hubble» habe am Wochenende plötzlich aufgehört, wissenschaftliche Daten zu senden. Möglicherweise bedeutet das einen neuen Reparaturauftrag für die Astronauten, auf den sie noch nicht vorbereitet sind und für den sie auch noch nicht ausgerüstet sein können. Eigentlich sollte die Raumfähre «Atlantis» in zwei Wochen, am 14. Oktober, starten.

Ehrgeizige Konkurrenz aus China

Außerdem bekommt die NASA zunehmend Konkurrenz von China. Astronauten der Volksrepublik absolvierten am Samstag erstmals einen Außenbordeinsatz im freien All - als dritte Nation überhaupt nach den USA und Russland. Und schon «in naher Zukunft» will Peking nach eigenen Angaben Astronauten auf den Mond schicken. Damit könnte ein regelrechtes Rennen um die Landung auf dem Erdtrabanten beginnen.

Die NASA habe 50 Jahre nach ihrer Gründung eine Menge Probleme, sagt Henry Lambright von der Universität Syracuse. Es sei unrealistisch zu erwarten, dass sie sich um ihre bisherigen Belastungen - die Shuttles und die Raumstation - kümmern und zugleich ohne zusätzliche finanzielle Mittel etwas Neues in Angriff nehmen könne, erklärt Lambright. «Das schafft man nicht.» Und der Raumfahrtingenieur Hans Mark von der Universität von Texas sagt: «Das ist keine Midlife-Crisis. Das ist ein Desaster.»








 
 



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