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30. September 2008
Allianz-Chefvolkswirt: Talsohle der Finanzkrise bald durchschritten


Frankfurt - Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise rechnet mit einem baldigen Ende der Finanzmarktkrise. «Die Talsohle ist viel näher, als es derzeit den Anschein hat», sagte er am Dienstag in Frankfurt am Main. Obwohl sich die Kapitalmärkte derzeit in der schlimmsten Krise seit Ende der 20er Jahre befänden, gebe es bislang kaum Auswirkungen auf die Realwirtschaft. In Deutschland erwarten die Volkswirte von Allianz und Dresdner Bank für die kommenden Monate eine «Stagnation nach konjunktureller Vollbremsung» - aber keine Rezession.

An den Märkten herrsche gerade Verunsicherung, Irrationalität und teilweise sogar Hysterie, erklärte Heise. «Die Entwicklung ist derzeit so übersteigert, dass sie nicht mehr lange anhalten wird», sagte er. Das verloren gegangene Vertrauen müsse wieder hergestellt werden sagte der Ökonom und lobte in diesem Zusammenhang das «sehr gute Krisenmanagement» von Notenbanken und Regierungen in den USA und Europa.

Heise verwies darauf, dass die Banken ihre Bilanzen im Zuge der Finanzmarktkrise mit sehr hoher Geschwindigkeit bereinigten. Zudem konsolidiere sich der amerikanische Immobilien- und Hypothekenmarkt. Für Banken auf dem europäischen Kontinent, die sich anders refinanzierten als ihre Konkurrenten in den USA oder in Großbritannien, bestehe sogar die Chance, gestärkt aus der Krise hervorzugehen.

Wachstum von 0,7 Prozent in 2009 erwartet

Nach Ansicht der Volkswirte steuert die deutsche Wirtschaft angesichts der weltweiten Konjunkturabkühlung auf eine Stagnation im zweiten Halbjahr 2008 zu. «Unter der Annahme, dass die Finanzmarktkrise in den ersten Monaten des Jahres 2009 allmählich an Brisanz verliert, sehen wir allerdings gute Chancen für eine Konjunkturbelebung im nächsten Jahr», sagte Heise.

Sowohl von der Ölpreis- als auch von der Wechselkursentwicklung sei 2009 eine deutliche Entlastung zu erwarten. Ein Rückgang der Preissteigerung würde die Kaufkraft der privaten Haushalte erhöhen und könnte noch in diesem Jahr konjunkturstabilisierend wirken. Insgesamt sehen die Ökonomen daher für 2009 immer noch einen realen Anstieg des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 0,7 Prozent nach 1,8 Prozent in diesem Jahr.

Sinkende Inflationsrate und Anstieg der Arbeitslosigkeit

Bei den Ausfuhren rechnen die Volkswirte für 2008 mit einem Wachstum von knapp 5 Prozent, für 2009 mit knapp 2 Prozent. Aufgrund der deutlichen Ölpreiskorrektur sei zudem mit einem klaren Nachlassen des Inflationsdrucks bis zum Jahresende zu rechnen, so dass die Inflationsrate im Jahresdurchschnitt 2008 bei 2,8 Prozent liegen dürfte. Für das Jahr 2009 erwarten die Ökonomen von Allianz und Dresdner Bank eine deutlich niedrigere durchschnittliche Inflationsrate von 2 Prozent.

Die Lage am Arbeitsmarkt werde sich nach der positiven Entwicklung der vergangenen Monate voraussichtlich eintrüben. Im kommenden Jahr rechnen die Volkswirte mit einem leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit, wobei die Quote für das Gesamtjahr 2009 etwa genauso hoch sein werde wie die für das Jahr 2008.








 
 



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