Der Kupferkonzern Norddeutsche Affinerie hat im zweiten Quartal erneut deutlich mehr verdient als erwartet. Trotz höherer Synergien aus der mittlerweile abgeschlossenen Cumerio-Übernahme blieb das Hamburger MDAX-Unternehmen aber bei einem vorsichtigen Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr. Eine konkrete Prognose gab die Norddeutsche Affinerie AG (NA) in ihrem am Freitag vorgelegten Halbjahresbericht nicht.
Im zweiten Quartal ihres noch bis Ende September laufenden Geschäftsjahres 2007/08 hatte die Affinerie einen Umsatzanstieg von rund 30% auf 1,949 (Vorjahr: 1,499) Mrd EUR verbucht. Hierzu trug auch die neue belgische Tochter Cumerio bei, die seit Anfang März voll konsolidiert ist.
Das EBIT stieg in den Monaten Januar bis März auf 79 (Vorjahr: 45) Mio EUR. Im ersten Halbjahr konnte die NA das operative Ergebnis im Segment Kupfererzeugung mehr als verdoppeln. Im Bereich der Kupferverarbeitung stieg das Ergebnis in dieser Zeit um mehr als die Hälfte. Den Periodenüberschuss konnte die Affinerie im zweiten Quartal auf 59 (26) Mio EUR ebenfalls mehr als verdoppeln.
Damit übertraf der Konzern die Markterwartungen beim Ergebnis deutlich. Die von Dow Jones Newswires im Vorfeld befragten Analysten hatten mit einem Umsatz von 2,01 Mrd, aber nur mit einem EBIT von 45,5 Mio EUR und einem Nettogewinn von knapp 28 Mio EUR gerechnet.
Die NA hatte schon das ersten Quartal deutlich über den Schätzungen abgeschlossen und dies vor allem mit Einmal- und Bewertungseffekten erklärt. Im zweiten Quartal spielten diese aber keine so herausragende Rolle mehr. Zudem wurde das Ergebnis zusätzlich noch von Wertberichtigungen und Restrukturierungen bei Cumerio in Höhe von insgesamt 9 Mio EUR belastet.
Die NA verwies aber darauf, dass die erwarteten Synergien aus der Cumerio-Übernahme wohl deutlich über den bisher veröffentlichten 15 Mio bis 20 Mio EUR im Jahr liegen werden. Eine neue Zielgröße nannte die NA zunächst nicht.
Auch bei der Prognose für das Geschäftsjahr 2007/08 wurde der Konzern zunächst wenig konkret. Der Vorstandsvorsitzende Bernd Drouven sprach von einer "herausragenden Geschäftslage" und zeigte sich optimistisch, dass die NA "bei anhaltend guter Konjunktur und weiterhin hohen Kupferpreisen voraussichtlich erneut ein sehr gutes Jahresergebnis erreichen werden". Bislang hatte die NA ein Ergebnis unter dem Vorjahresniveau in Aussicht gestellt. Dabei waren aber die Beiträge von Cumerio noch nicht berücksichtigt worden.
Drouven verwies darauf, dass auch im verbleibenden Geschäftsjahr eine volle Auslastung der Produktionsbetriebe zur Kupfererzeugung zu erwarten sei. Der Konzern rechne weiterhin mit einem hohen Preisniveau für Kupfer, das auf Engpässe im Angebot und eine anhaltend starke Nachfrage zurückzuführen sei. Allerdings sei von einer leicht reduzierten Wachstumsdynamik auszugehen.
Die Märkte für Kupferprodukte sieht die NA in den kommenden Monaten stabil. So sei weiterhin eine sehr gute Nachfrage nach Kupfergießwalzdraht mit einer entsprechend hohen Auslastung aller NA-Kapazitäten zu erwarten, hieß es. Bei den Stranggussformaten gehen die NA von einer Stabilisierung des Marktes auf dem bisherigen Niveau aus.
Im ersten Halbjahr erhöhte die NA bei der Kupfererzeugung die Konzentratverarbeitung auf 631.000 (563.000) Tonnen (t). Die Kathodenproduktion stieg auf 325.000 (283.000) t. Während im Segment Kupferverarbeitung die Nachfrage der Kabel- und Drahtindustrie nach Gießwalzdraht weiterhin hoch war, erfüllte die Entwicklung bei Stranggussprodukten die Erwartungen nach Angaben des Konzerns nicht. Die Produktion von Kupfergießwalzdraht stieg nochmals und erreichte mit 289.000 (227.000) t einen Höchststand. Die Stranggussproduktion lag mit 103.000 (122.000) t unter dem Vorjahreswert.
An der Börse erhielten die Quartals-Ergebnisse der Affinerie am Freitag zunächst Beifall. "Die Zahlen sind sehr gut", sagte ein Marktteilnehmer. Die NA-Aktie sei bereits am Donnerstag gekauft worden. Damit habe der Kurs den Konsolidierungsabwärtstrend gebrochen und bereits ein Kaufsignal gegeben. Die Gewinnschätzungen könnten angehoben werden und dies den Kurs stützen.
Zu Handelsbeginnlegte die NA-Aktie bis 9.10 Uhr um 4,3% auf 30,92 EUR zu.
