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29. Dezember 2006

Blog Alert: Vom Glauben an den "außerirdisch" guten Aufschwung



Berlin - (Satire) Aufschwung, Aufschwung und noch mal Aufschwung - Überall wo man dieser Tage wandelt, trifft man auf eine wahre Welle der Euphorie, die sich mehr und mehr im Land breit macht. Die Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre scheint vorüber. Es geht bergauf, liebes Deutschland. Vorausgesetzt man glaubt den CDU- und SPD-nahen Medien, der Politik und den vielen "Prognosen". Was von Letzteren zu halten ist, wurde hinreichend bei den letzten Bundestagswahlen dokumentiert. Gerade die Mitglieder der von Kanzlerin Merkel geführten Bundesregierung lassen keine Gelegenheit aus, sich selbst zu feiern. Man mag meinen, es ist noch WM. Das Feeling passt zumindest.

Negative Nachrichten, die doch einige Zweifel am positiven Werdegang der deutschen Wirtschaft in 2007 aufkommen lassen, passen da natürlich überhaupt nicht ins Bild. Und was macht die Politik da am besten? Richtig, sie tut so, als gäbe es diese negativen Vorzeichen überhaupt nicht. In der Disziplin der Selbsttäuschung sind die Deutschen wenigstens Weltmeister. Vollkommen ignoriert wird beispielsweise die wirtschaftliche Entwicklung im Rest der "westlich zivilisierten Welt". So kämpfen die USA, Großbritannien und andere EU-Nachbarländer mit einer kriselnden Wirtschaft. Dass dies in einer globalisierten Welt an der Exportnation Nummer 1 wohl nicht spurlos vorbeigehen wird, kümmert offenbar niemanden. Die Globalisierung dient eben nur als Entschuldigung, wenn es mal schlecht läuft.

Auch die Nachricht, dass die Pharmaunternehmen entgegen dem Trend deutliche Umsatzeinbußen für 2007 erwarten, scheint niemanden zu beeindrucken. Dabei sind die Arzneimittelhersteller - darunter Konzerne wie Bayer - globale Riesen und aufgrund ihres weltweiten Wirkens ein Indikator für schlechtere Zeiten. Denn sie sind die ersten, die unter Wirtschaftskrisen außerhalb der Bundesrepublik zu leiden haben. Nicht zuletzt sind auch die Entlassungen bei den "etablierten Konzernen" - darunter Telekom und Allianz - ein Signal, dass sich deren Spitzen wohl dem Aufschwungsfeeling nicht so ganz hingeben wollen. Denn sie wappnen sich bereits für schlechtere Zeiten und härtere Kämpfe im weltweiten Wettbewerb.

Und letztlich zeigt sich selbst Bundeswirtschaftsminister Glos skeptisch. Er forderte Unternehmen und Gewerkschaften jüngst dazu auf, angesichts des zu milden Klimas keine übertriebenen Lohnzuschläge in 2007 anzuvisieren. Der CSUler macht sich für die Stabilität bei den Löhnen stark. Recht vernünftig: Der sonst etwas fehl am Platz wirkende Mann, riecht scheinbar als einziger den Braten. Dabei ist die Formel für wirtschaftlichen Erfolg doch so einfach: Unternehmen, die etwas verdienen wollen, müssen auch etwas verkaufen. "Aber an wen?", das ist die Frage. Auf das Konsumklima kann die Wirtschaft jedenfalls nicht bauen. Denn das wird laut GfK im kommenden Jahr nicht zuletzt dank der Mehrwertsteuererhöhung rauer. Sprich: Die Verbraucher werden einen Teufel tun, der Wirtschaft unter die Arme zu greifen.

Neben deutlich steigenden Kraftstoffpreisen - u.a. dank BIO im Sprit (war das eigentlich eine Idee der Grünen?) - täuschen nicht zuletzt auch die Zahlen im Arbeitsmarkt. Man erinnere sich: Die Zahl der Arbeitslosen wich unter die 4-Millionenmarke, was sich Bundeskanzlerin Merkel vornehmlich selbst zuschreibt. Dass der derzeit überaus milde Winter dazu aber wohl mehr als die Große Koalition, die - glaubt man SPD-Chef Kurt Beck - die Grenze der Reformfähigkeit inzwischen erreicht hat - beigetragen hat, das wollen die Herrschaften in Berlin nicht hören. Auch die vielen Arbeitslosen, die nicht in die Statistik einwandern, da sie sich entweder in Weiterbildungsmaßnahmen oder unterbezahlten 1-EUR-Bettel-Jobs befinden, sind längst kein Thema mehr.

All dies würde die euphorischen WM-Deutschen in ihrem Optimismus nämlich bremsen. Und dies soll - so die Devise der Großen Koalition - offenbar mit aller Macht verhindert werden. Frei nach dem Motto: "Verteidigt den Glauben am Aufschwung", an dem ohnehin nicht mehr Deutsche glauben als an Außerirdische. Und das wären dann einer aktuellen Umfrage zufolge immerhin noch 33 Millionen. Bemerkenswert: Mit steigendem Bildungsgrad wächst sogar die Bereitschaft, an extraterrestrischem Leben zu glauben. Eine zugleich erschreckende Erkenntnis: Denn geht's diesbezüglich wirklich nach dem Bildungsgrad der Deutschen, würde hierzulande in ein paar Jahrzehnten wohl niemand mehr an E.T. & Co. glauben. (siehe PISA-Tests) Armes Hollywood, armer Roland Emmerich ...


Es grüßt in die Welt,
Ihr Dennis Age mit seinem „Blog Alert - Web 2.0 einmal anders“




Unqualifizierte Kommentare bitte an: d.age@net-tribune.de

[HINWEIS: Bei dem vorgenannten Beitrag handelt es sich um Satire.]


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