Rauschende Ballnacht in Krisenzeiten: Rund 2.800 Gäste haben den 57. Bundespresseball in Berlin gefeiert. Zum gesellschaftlichen Großereignis waren am Freitagabend unter anderen Bundespräsident Horst Köhler, Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier und mehrere Bundesminister sowie zahlreiche Wirtschafts- und Medienvertreter gekommen. Wie in den Vorjahren fehlte wieder einmal Kanzlerin Angela Merkel. Der zehnte Bundespresseball in Berlin stand unter dem Motto «Metropoly».
Höhepunkt der Nacht war am frühen Samstag der Auftritt der britischen Altrocker von Status Quo in dem ganz in Gold und Lila gehaltenen Ballsaal. Als sie Hits wie «You"re In The Army Now» und «Rockin" All Over The World» spielten, sangen fast alle mit und tanzten. Auch Köhler und seine Frau Eva-Luise rockten bei den ersten drei Stücken mit.
Köhler kann nicht voll abschalten
Traditionell eröffnete der Bundespräsident den Ball mit einem Walzer. Zum ersten Tanz führte er die Frau des Vorsitzenden der Bundespressekonferenz, Ursula Gößling, auf das Parkett. Feiern in Krisenzeiten hielt Köhler für legitim. «Gerade in dieser Situation und bei diesen schrecklichen Ereignissen müssen wir auch etwas gegensetzen und das Leben feiern», sagte das Staatsoberhaupt. Aber natürlich könne er angesichts der Finanzkrise und der schrecklichen Anschläge in Bombay nicht völlig abschalten. «Der Mensch ist aber mehr als Trauer», betonte er.
Ähnlich äußerte sich SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier. Ungetrübt sei seine Stimmung nicht. «Man schüttelt am Eingang nicht alles ab. Das wird kein völlig entspannter Abend», meinte er. Die Finanzkrise, die Sorge um Arbeitsplätze, der Streit in der SPD in Hessen und die grausamen Bilder aus Indien wögen schwer. Trotzdem freue er sich auf Gespräche und das ein oder andere Tänzchen.
Merkel 2009 dabei?
Aus dem Kabinett waren darüber hinaus Franz Josef Jung (CDU), Ursula von der Leyen (CDU), Peer Steinbrück (SPD), Ulla Schmidt (SPD), Ilse Aigner (CSU) und Brigitte Zypries (SPD) gekommen. Merkel dagegen fehlte. Regierungssprecher Thomas Steg sagte, die Kanzlerin gehe nicht besonders gern auf Bälle und müsse sich auf den CDU-Parteitag vorbereiten. Vielleicht werde sie aber kommendes Jahr dabei sein. «Nächstes Jahr wird ein besonderes Jahr. Wir feiern 60 Jahre Bundesrepublik Deutschland und 20 Jahre Mauerfall», sagte Steg.
Gekommen war dagegen Ex-Außenminister Joschka Fischer, der gewohnt griesgrämig jedwede Antwort auf Fragen verweigerte. Für mehr Aufsehen sorgte seine Frau Minu mit einem goldfarbenen Kleid. Ansonsten überwogen aber bei den meisten Ballgästen auch in diesem Jahr dunklere Farben.
Riesengarnelen und Austern
Für reichlich Speisen und Getränke war wieder einmal gesorgt. Auf dem mit riesigen Eisblöcken dekorierten Meeresfrüchte-Buffet gab es Krabben, Riesengarnelen, Sushi-Rollen und Austern in Hülle und Fülle. Serviert wurden auch edles Kalbsfilet - und traditionell Curry-Würste. Üppig war auch die Tombola ausgestattet: So gab es unter anderem einen VW Golf oder eine 15-tägige Reise nach Kambodscha, Laos und Vietnam zu gewinnen.
Die Eintrittskarten zum Preis zwischen 350 Euro und 590 Euro waren seit September ausverkauft. Der Etat für den Ball betrug rund eine Million Euro.
