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29. November 2007

Unbürokratisch, aber teuer: Pfandhaus-Kredit



Düsseldorf - Ob Uhren, Goldmünzen, Porzellan, Schmuck oder Autos: Die Bundesbürger haben in diesem Jahr so viele Werte im Pfandhaus zu Geld gemacht wie nie zuvor. Durch Beleihen ihrer Preziosen besorgten sie sich etwa 500 Millionen Euro an Krediten, 4 Prozent mehr als im Vorjahr, zieht der Zentralverband des Deutschen Pfandkreditgewerbes (ZDP) Bilanz. Dabei steht das Weihnachtsgeschäft 2007 noch aus.

«Eine unbürokratische, aber auch teure Möglichkeit, Finanznöte kurzfristig zu überbrücken», sagt Stefanie Laag von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Vor allem bei höheren Summen könne das ins Geld gehen. Sie weiß aus Erfahrung, dass viele Verbraucher tragen kurz vor dem Fest gern einige Wertsachen ins Leihhaus tragen, um vorübergehend wieder flüssig zu sein. Der Zusatzanreiz: Der Goldpreis ist gegenwärtig sehr hoch. Wer jetzt Goldschmuck und -münzen beleiht, bekommt deutlich mehr Geld als noch vor ein, zwei Jahren.

«Kurz vor Weihnachten, wenn das Weihnachtsgeld verbraucht ist, verleihen wir saisonbedingt mehr Geld als sonst», berichtet Joachim Struck, ZDP-Vorsitzender. Die Klientel der rund 200 privaten Leihhausbetriebe bundesweit bringt vor allem Schmuck, Juwelen und Uhren vorbei, um schnell an Bares zu kommen. «Gut neun von zehn Kunden hinterlegen das», sagt Struck. Verpfändet wird aber auch wertvolles Porzellan, die Modelleisenbahn-Sammlung oder das Familienauto. Etwa 94 Prozent der Gegenstände werden laut ZDP später wieder abgeholt und ausgelöst. Dafür hat der Kunde mindestens drei Monate Zeit.

Technische Geräte wie Laptops, Digitalkameras oder Stereoanlagen würden nicht gern angenommen, winkt Struck ab. Elektronik sei rasch veraltet. Auch im Internet boomt das Geschäft mit dem Pfandkredit: Ein Anbieter hat sich rein aufs Beleihen von Wagen, Motorrädern und Lastern spezialisiert.

Wer Preziosen bringt, bekommt meist 50 Prozent des Verkaufswertes angeboten. Sind Goldmünzen gut 2.000 Euro wert, erhält der Kunde in etwa 1.000 Euro bar auf die Hand ausgezahlt.


Keine Schulden, keine Bonitätsprüfung


Wertsachen zu verpfänden, gilt inzwischen als bequem und als Alternative zum Konto-Überziehen oder Ratenkredit. Wer ins Leihhaus geht, macht keine Schulden. Und das Prinzip Geld gegen Pfand macht Gehaltsnachweise oder Bonitätsprüfungen überflüssig. Zur Klientel gehöre vor allem der Mittelstand, so Struck. Freiberufler und Handwerker genauso wie Hausfrauen oder Senioren.

Ein Kleinkredit sei im Pfandhaus konkurrenzlos schnell zu bekommen, räumt Verbraucherschützerin Laag ein. Der Haken: Er ist nicht gerade billig. Die Leihhäuser werben damit, dass fürs Beleihen gerade mal 1 Prozent Zinsen im Monat anfallen plus Unkostenvergütung für Schätzung, Lagerung und Versicherung. Nach Angaben Strucks muss der Kunde für einen 300-Euro-Kredit monatlich 3 Euro Zinsen plus 6,50 Euro Vergütung zahlen. Vertragslaufzeit: mindestens 4 Monate.

«Die meisten holen ihre Sachen aber erst sehr viel später ab, das kann durchaus ins Geld gehen», berichtet Laag. Wer am Anfang eines neuen Monats abholt, muss zudem für den vollen Monat bezahlen. Ab 300 Euro aufwärts «sind die Zinsen außerdem Verhandlungssache, nicht mehr gesetzlich vorgegeben», mahnt die Expertin zur Vorsicht. Für höhere Kredite fallen schnell Zinsen von 3,5 Prozent im Monat plus Unkostenvergütung an. Wer sein Auto beleiht, muss zudem tägliche Standgebühren zahlen. «So können Jahreszinssätze von bis zu 40 Prozent zustande kommen», hat Laag berechnet. Wer zum Pfandhaus geht, sollte vorher zudem Preise vergleichen. Nicht jeder Betrieb beleihe gleich fair.

Und noch einen Tipp hat die Verbraucherschützerin parat: Wer seine Preziosen nicht schnell wieder auslösen kann, sollte darauf achten, wann sie vom Pfandhaus versteigert werden. Ein Mehrerlös zur Pfandsumme steht dem Besitzer zu. Erst nach zwei Jahren verfällt dieser Anspruch an den Fiskus.




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