In einer Anhörung vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag wird sich der frühere bosnisch-serbische Führer Radovan Karadzic am Freitag zu den elf Hauptvorwürfen gegen ihn äußern. Die Anklage hat angekündigt, ihre Anschuldigungen zu präzisieren, um das Verfahren zu beschleunigen. Sie zieht damit Konsequenzen aus dem umfangreichen Prozess gegen den früheren serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic, der 2006 einem Herzinfarkt erlag, bevor ein Urteil wegen Völkermords und Kriegsverbrechen ergehen konnte.
«Es wird interessant sein, von dem Staatsanwalt zu erfahren, wann er in der Lage sein wird, eine neue Anklage vorzulegen», sagte eine Beobachterin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Geraldine Mattioli. Davon hänge letztendlich ab, wann der Prozess beginnen werde. Dass es zum Prozess kommt, hat Karadzic bereits klargemacht, indem er ankündigte, auf nicht schuldig im Sinne der Anklage zu plädieren. Er muss unter anderem mit den Vorwürfen des Völkermords, der Kriegsverbrechen und der Verbrechen gegen die Menschlichkeit rechnen. Wenn er sich schuldig bekennen würde, gäbe es keinen Prozess.
