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29. August 2008
Cholera-Infektionen weitaus verbreiteter als bekannt


Frankfurt - Cholera-Infektionen sind womöglich weitaus verbreiteter als bislang bekannt. Denn nur ein Teil der Infizierten wird tatsächlich krank, wie der Berufsverband Deutscher Internisten unter Verweis auf eine Studie amerikanischer und britischer Wissenschaftler berichtet. In den meisten Fällen mache eine Infektion mit Cholera-Erregern den Körper immun gegen die Bakterien - allerdings nur für wenige Monate.

«Diese Ergebnisse widersprechen bisherigen Annahmen zur Entstehung von Cholera-Epidemien», sagt der Münchner Infektions- und Tropenmediziner Thomas Löscher. Bislang sei man davon ausgegangen, dass Menschen jahrelang gegen Cholera-Bakterien immun sein könnten: «Wenn die Berechnungen stimmen, tragen sehr viel mehr Menschen die Erreger in sich, ohne es zu merken, und tragen so zur Ausbreitung der Epidemie bei.»

Ob eine Infektion eine Erkrankung auslöst oder immun macht, hängt nach Angaben des Professors davon ab, wie die Bakterien in den Darm gelangen und in welcher Menge: «Verschiedene Studien haben gezeigt, dass schon relativ kleine Mengen an Bakterien eine Infektion auslösen können, wenn sie mit der Nahrung aufgenommen werden.» In verunreinigtem Wasser seien dazu größere Mengen erforderlich. Zudem seien frisch ausgeschiedene Erreger hochinfektiös.

Cholera ist eine übertragbare Magen-Darm-Erkrankung, die zu starken Durchfällen führen kann. Sie wird vom Bakterium Vibrio cholerae ausgelöst und kommt heute fast ausschließlich in Ländern mit schlechten Hygienebedingungen vor. Die Erreger werden mit dem Stuhl ausgeschieden und durch Trinkwasser sowie verunreinigte Lebensmittel übertragen.

Die Gefahr für Touristen, sich mit Cholera anzustecken, ist jedoch gering: «In den letzten Jahren gab es nur wenige Einzelfälle von Touristen, die sich während ihres Urlaubs infiziert haben», sagt Löscher. Eine vorsorgliche Impfung von Urlaubern sei in der Regel nicht notwendig. Trotzdem sollten Reisende in Ländern mit niedrigen Hygienestandards nur keimfreies Wasser trinken und auf rohes Obst und Gemüse verzichten. Dagegen sollten sich Katastrophen- und Flüchtlingshelfer in Risikogebieten gegen Cholera impfen lassen.








 
 



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