Nach wochenlangem Streit sind die Honorarverhandlungen zwischen Kassenärzten und Krankenkassen zu Ende gebracht worden. Die rund 150.000 niedergelassenen Ärzte in Deutschland können mit einer Honorarverbesserung in Höhe von 2,5 Milliarden Euro rechnen, wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) am Donnerstagabend in Berlin mitteilte. Laut GKV-Spitzenverband kam die Einigung allerdings nur zustande, weil die Kassen von den Ärzten zusammen mit dem eingesetzten Schlichter überstimmt wurden.
Das Bundesgesundheitsministerium begrüßte das Ergebnis. «Mit dem heutigen Votum kommt die Gesundheitsreform der Bundesregierung ein weiteres großes Stück voran. Wir begrüßen, dass die Kassenärzte nun ein kalkulierbares, gerechteres und auch transparentes Honorarsystem erhalten», erklärte ein Sprecher. Die Honorarreform diene letztlich dem Zweck, die ärztliche Versorgung der Patienten zu verbessern und zu sichern.
Die KBV wertete das Verhandlungsergebnis als wichtigen Schritt, um eine flächendeckende und qualitativ hochwertige ambulante Versorgung der Patienten auf Dauer zu sichern. Die Summe von 2,5 Milliarden Euro entspreche einem Zuwachs von mehr als zehn Prozent. Gleichzeitig soll sich die Gesamtvergütung den Angaben zufolge künftig nicht mehr an der versorgungsfremden Entwicklung der Grundlohnsumme orientieren, sondern an der Morbidität der Versicherten. «Das ist die höchste Steigerung der Gesamtvergütung seit Bestehen der ärztlichen Selbstverwaltung», sagte der KBV-Vorstandsvorsitzende Andreas Köhler.
Heftige GKV-Kritik
Der GKV-Spitzenverband hingegen reagierte mit heftiger Kritik. «Diese massive Honorarerhöhung werden leider alle Versicherten deutlich in ihren Portemonnaies spüren», sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende und Verhandlungsführer der Kassen, Johann-Magnus von Stackelberg.
Die Ärzte und der Schlichter hätten sich gegen die Stimmen der Kassen geeinigt. «Das Ergebnis führt zu einer Gesamtbelastung von mindestens 2,5 Milliarden Euro. Weil in dem entscheidenden Beschlussgremium, dem Erweiterten Bewertungsausschuss, mit einfacher Mehrheit entschieden werden kann, konnten die Kassen diese neuen Belastungen der Beitragszahler nicht verhindern», sagte von Stackelberg.
Die KBV und der Spitzenverband der Krankenkassen hatten bereits am Mittwoch ihre Verhandlungen über eine Honorarreform für die rund 150.000 niedergelassenen Ärzte wieder aufgenommen. Die Gespräche waren Anfang des Monats unterbrochen worden.
Die KBV hatte zunächst 4,5 Milliarden Euro mehr Geld für die Ärzte gefordert und einen Schlichtervorschlag von 1,4 Milliarden als unzureichend abgelehnt. Die Politik hatte dann 2,5 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.
