Die Regierung in Washington hat Äußerungen von Wladimir Putin scharf zurückgewiesen, der eine Verbindung zwischen der Georgien-Krise und dem Wahlkampf in den USA gezogen hat. Regierungssprecherin Dana Perino bezeichnete die Erklärung des russischen Ministerpräsidenten als «offenkundig falsch» und «nicht rational». Zugleich warnte sie, Russland müsse nach dem militärischen Vorgehen in Georgien mit Konsequenzen einer geringeren internationalen Reputation rechnen.
In einem Interview des US-Fernsehsenders CNN äußerte Putin den «Verdacht, dass jemand in den Vereinigten Staaten diesen Konflikt absichtlich mit dem Ziel erzeugt hat, die Situation zu verschlechtern und einem der Kandidaten im Kampf um das Amt des US-Präsidenten einen Vorteil zu verschaffen». Einen Namen oder eine Partei nannte Putin nicht. Jedoch haben einige russische Politiker erklärt, die Republikaner in den USA hofften, dass sich die Krise in Georgien positiv für ihren Kandidaten John McCain auswirke.
Putin sagte auch, dass es Hinweise auf den Aufenthalt von US-Bürgern in der Kampfzone in Georgien gebe. «Wenn dies bestätigt wird, ist das sehr schlecht. Es ist sehr gefährlich.» Die USA unterhalten enge Beziehungen zur georgischen Regierung und haben Einheiten der georgischen Streitkräfte ausgebildet. Nach Angaben der US-Regierung hielten sich bei Beginn der Kämpfe Anfang des Monats 130 amerikanische Ausbilder in Georgien auf.
Auch im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen haben sich die Fronten zwischen Russland und dem Westen weiter verhärtet. Die USA, Großbritannien und Georgien warfen Russland am Donnerstag in New York vor, mit der Anerkennung von Abchasien und Südossetien als unabhängige Staaten die international anerkannten Grenzen im Kaukasus verändert zu haben. Der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin wies dies zurück und warf dem Westen vor, mit zweierlei Maß zu messen. Dabei nannte er die Anerkennung der Unabhängigkeit des Kosovos gegen den Widerstand Serbiens und den Irak-Krieg der USA.
Den stellvertretenden UN-Botschafter der USA, Alejandro Wolff, fragte Tschurkin: «Massenvernichtungswaffen, haben Sie die jetzt im Irak gefunden oder suchen Sie noch danach?» Wolff entgegnete: «Ich bin kein Psychologe und weiß nicht, wie Botschafter Tschurkin zu den freien Assoziationen kommt, die wir von ihm gehört haben.»
