Der Ton zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern in der Metall- und Elektroindustrie hat sich vor dem Start in die Lohnrunde verschärft. So kommen nach Ansicht des nordrhein-westfälischen Bezirksleiters der IG Metall, Oliver Burkhard, auch Arbeitsniederlegungen infrage. «Wir sehen eine sehr hohe Bereitschaft zu Warnstreiks», sagte Burkhard laut der Tageszeitung «Die Welt». Das Gerechtigkeitsempfinden der Mitglieder werde derzeit massiv gestört, sagte er und fügte hinzu: «Die arbeiten bis zum Anschlag und wissen ganz genau, dass die Betriebe weiter ordentlich rund laufen.»
Man gieße kein Öl ins Feuer, «wir treten es aber auch nicht aus», wurde er weiter zitiert. Burkhard kritisierte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser, der vor einer Abschwungphase gewarnt hatte. «Kannegiesser sieht zu schwarz, diese dunkle Brille steht ihm nicht», sagte er. Die Argumentation der Arbeitgeber, sie litten unter hohen Rohstoffpreisen, nannte Burkhard unredlich. Die Unternehmen könnten die Mehrkosten in diesem Jahr «durchaus an die Kunden weitergeben». «Wir haben Hochkonjunktur», sagte der Bezirksleiter.
Bei den Arbeitgebern seien «Tarifastrologen am Werk», die den Abschwung an den Sternen ablesen wollten, dabei gebe es «auf der Erde jede Menge gut laufender Betriebe».
Die IG Metall will in den im Oktober beginnenden Verhandlungen für die deutsche Schlüsselbranche laut Burkhard bis zu acht Prozent mehr Geld fordern. Damit deutet sich die höchste Forderung seit 16 Jahren an; 1992 hatte die IG Metall 9,5 Prozent mehr Geld gefordert.
