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29. August 2007

Neuer türkischer Außenminister bekennt sich zum EU-Beitritt



Ankara - Der neue türkische Außenminister Ali Babacan tritt wie sein Vorgänger Abdullah Gül entschieden für einen Beitritt zur Europäischen Union ein. Zu Beginn der Beitrittsverhandlungen mit der EU im Mai 2005 hatte Gül, der am Dienstag zum Staatspräsidenten gewählt wurde, Babacan als Verhandlungsführer ernannt.

Der bisherige Wirtschafts- und Finanzminister gilt als religiöser Muslim, befürwortet jedoch die von der Verfassung verlangte Trennung von Staat und Religion. Darin ist er sich mit Gül einig. als dessen enger Vertrauter er gilt. Als Minister war der 40-jährige Politiker der regierenden konservativ-religiösen Partei AKP seit 2002 für den Reformkurs verantwortlich, der zu einem nachhaltigen Wirtschaftswachstum führte.

Babacan wurde 2002 zum jüngsten Kabinettsmitglied und deswegen von türkischen Medien bisweilen als «Bebe-can» (»Baby-can») verspottet. Seine Sprachkenntnisse und seine Ausbildung sprachen aber für den Neuling: Mit einem Fulbright-Stipendium hatte Abacan in den USA studiert, wo er an der Northwestern University im US-Staat Illinois 1992 einen Master in Betriebswirtschaft erwarb. Zusammen mit dem bisherigen Außenminister Gül gilt er als der Minister mit den besten internationalen Beziehungen.

An international bedeutenden Themen wird es dem neuen Außenminister nicht fehlen: So wird die Haltung der Türkei in der Zypern-Frage auf die Tagesordnung kommen, da diese bislang die Beitrittsverhandlungen mit der EU behindert. Die Türkei weigerte sich im vergangen Jahr, ihre Häfen für zyprische Schiffe zu öffnen, obwohl die Republik Zypern zur EU gehört. Der türkisch-zyprische Nordteil der Insel wird nur von Ankara als eigener Staat anerkannt.

Für weitreichende Verwicklungen sorgt auch der Konflikt mit den Kurden in Südostanatolien. Die türkischen Streitkräfte haben an der Grenze zum Irak im Sommer zusätzliche Truppen stationiert und damit gedroht, die Rückzugsgebiete der kurdischen Rebellen im Nordirak anzugreifen. Bagdad und Washington lehnen dies ab, weil sie eine zusätzliche Eskalation im Irak befürchten. Die Unabhängigkeitsbestrebungen der Kurden im Nordirak betrachtet die Türkei mit großem Missfallen.

Konfliktstoff gibt es auch in der Vergangenheit: Der US-Kongress will die Verfolgungen und den Tod von 1,5 Millionen Armeniern im Ersten Weltkrieg als Völkermord verurteilen. Ankara betrachtet dies als Verunglimpfung der Türkei.

Geboren wurde Babacan 1967 in einer traditionell-muslimischen Familie in Ankara. Seiner Familie gehörte ein Textilgeschäft, in dem der junge Babacan schon bald mitarbeitete. Nach seinem Master-Abschluss 1992 arbeitete er zunächst für zwei Jahre als Unternehmensberater bei QRM Inc. in Chicago im US-Staat Illinois. Die Firma berät Geschäftsführer der bedeutendsten US-Banken in Finanzfragen.

1994 kehrte Babacan in die Türkei zurück und übernahm die Leitung des elterlichen Textilhandels, der sich unter seiner Führung zum ersten Versandhaus des Landes und dann zum Marktführer entwickelte. Neben der Arbeit im Unternehmen seiner Familie war er von 1994 an als Chefberater des Bürgermeisters von Ankara tätig. 2001 gehörte er zu den Mitbegründern der AKP. Der Politiker ist verheiratet und hat zwei Kinder.




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