Jersey City - Der deutsche Abenteurer Dominique Görlitz ist fest davon überzeugt, dass Menschen schon vor 14.000 Jahren den Atlantik in Flößen überquert haben - auch wenn es keine wissenschaftlichen Beweise dafür gibt. Mit einer zweimonatigen Reise auf einem 12,50 Meter großen Floß wollen Görlitz und elf Mitstreiter demonstrieren, dass eine solche Atlantiküberquerung mit einfachen Mitteln möglich ist.
«Warum ist es so schwer zu akzeptieren, dass die Menschen auch früher schon die Welt erforscht haben?» Mit dieser Frage beschäftigt sich der 40-jährige frühere Lehrer aus Chemnitz schon lange, wie er der «New York Times» sagte. Mehr als 25 Freiwillige arbeiten derzeit in der Liberty Landing Marina in New Jersey an dem Floß aus Schilf und Eukalyptus. Vorlage sei eine rund 6.000 Jahre alte Zeichnung aus dem Nordosten Afrikas, sagte Görlitz. Einen Teil des Floßbaus übernahmen Amyra-Indianer in Bolivien.
Spuren von Tabak und Kokain, die im Grab von Ramses II. in Ägypten gefunden wurden, sind für Görlitz ein Beweis dafür, dass es damals schon Handel zwischen der Alten und der Neuen Welt gab. In Spanien gefundene Zeichnungen zeigten, dass die Menschen schon vor 14.000 Jahren die Strömungen des Atlantiks kannten, erklärt Görlitz. Seine Ansichten werden aber nur von wenigen Experten geteilt.
Mit 99,9-prozentiger Wahrscheinlichkeit habe es solche Atlantiküberquerung nicht gegeben, sagt Kenneth Feder, Professor für Anthropologie und Autor des Buchs «Frauds, Myths, and Mysteries: Science and Pseudoscience in Archaeology» (Betrug, Mythen und Geheimnisse: Wissenschaft und Pseudowissenschaft in der Archäologie). «Sie haben diese kleinen Hinweise, aber was sonst?»
Görlitz sucht noch Freiwillige für seine Reise und versucht, rund 400.000 Euro für die Finanzierung zusammenzubekommen. Einen Segelschein hat er nicht, das Floß will er aber selbst steuern. «Es ist ein bisschen wie Kung Fu, je weniger man weiß, desto besser», sagt Görlitz.