29. Januar 2007 15:55 Uhr
Vorwurf: Banken verschleiern Kreditzinsen systematisch!
Berlin - Wer einen Kredit aufnimmt, sollte den Zinssatz genau unter die Lupe nehmen. Denn günstige Kredite entpuppten sich oft als Mogelpackung, warnte der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) am Montag. Einer Falldokumentation des vzbv zufolge werden Kunden vor allem bei der Citibank systematisch zum Abschluss einer Kreditversicherung gedrängt, ohne dass deren Kosten im Effektivzins enthalten wären.
Der tatsächliche Zinssatz sei daher oft doppelt so hoch wie im Kreditvertrag ausgewiesen. "Die Kopplung von Ratenkrediten und Restschuldversicherungen ist eine neue Form des Kreditwuchers", erklärte die vzbv-Vorsitzende Edda Müller am Montag in Berlin. Sie forderte die Finanzbehörden auf, dagegen vorzugehen. Der Bankenfachverband wies die Dokumentation als "tendenziös und nicht repräsentativ" zurück.
Von wegen freiwillige Restschuldversicherung
Die Verbraucherschützer haben 110 Fälle dokumentiert, in denen die Vergabe des Kredits ausdrücklich vom gleichzeitigen Abschluss einer Restschuldversicherung abhängig gemacht wurde, allerdings ausschließlich mündlich. "Im Nachhinein verkaufen die Banken das dann als freiwillig", sagte ein vzbv-Sprecher. Neben der Citibank seien dabei auch die HypoVereinsbank, die frühere Norisbank und die Santander Consumer Bank negativ aufgefallen. In 94 Prozent der gut 200 untersuchten Fälle gaben die Kunden demnach an, ihnen sei schlicht kein Kreditangebot ohne eine solche Versicherung angeboten worden.
Wenn ein Kredit nur in Verbindung mit einer Restschuldversicherung angeboten wird, sind Banken nach der Preisangabenverordnung gesetzlich verpflichtet, die Versicherungskosten in den effektiven Zinssatz einzurechnen. Der Knackpunkt dabei: Wird dem Kunden nur mündlich gesagt, dass er zum Abschluss einer Versicherung verpflichtet sei, ist eine Kopplung schwer nachzuweisen.
Vorwurf der systematischen Verschleierung
Aus Sicht des vzbv ist der tatsächliche Effektivzins in den gut 200 dokumentierten Fällen systematisch verschleiert worden: Während der vertraglich erwähnte Zinssatz durchschnittlich bei 12,8 Prozent lag, zahlten die Kreditnehmer demnach "effektiv", inklusive der Versicherungsbeiträge, gut 24 Prozent Zinsen.
Der Bankenfachverband wies die Dokumentation der Verbraucherzentralen als "tendenziös" zurück. Die gut 200 untersuchten Fälle seien nicht repräsentativ für die elf Millionen jährlich aufgenommenen Kredite. Davon würden 98 Prozent problemlos beglichen - im Fall von Arbeitslosigkeit, Scheidung, Krankheit oder Tod oft mithilfe einer Restkreditversicherung.
Deren Abschluss sei stets freiwillig, betonte ein Verbandssprecher: "Die Banken sprechen höchstens eine Empfehlung aus." Angesichts zunehmender Privatinsolvenzen wäre es aus Sicht des Geschäftsführers Peter Wacket sogar "geradezu unverantwortlich, dem Verbraucher von einer Versicherung abzuraten". (dg)