Zweifel an Wirksamkeit der HPV-Impfung
veröffentlicht am 28.11.2008

Neue Zweifel an der Impfung gegen Humane Papillom-Viren (HPV): Nach Einschätzung von 13 Wissenschaftlern verschiedener deutscher Forschungseinrichtungen ist die Wirksamkeit dieser Schutzmaßnahme nicht angemessen geprüft worden. In einer gemeinsamen Stellungnahme fordern die Mediziner die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut zu einer Neubewertung auf. Zugleich kritisieren sie, dass «mit unrealistischen Hochrechnungen falsche Erwartungen an den Impfstoff geweckt» und «mit falschen Informationen zum Risiko des Gebärmutterhalskrebses Angst und Schuldgefühle erzeugt werden».
Frankfurt - Neue Zweifel an der Impfung gegen Humane Papillom-Viren (HPV): Nach Einschätzung von 13 Wissenschaftlern verschiedener deutscher Forschungseinrichtungen ist die Wirksamkeit dieser Schutzmaßnahme nicht angemessen geprüft worden. In einer gemeinsamen Stellungnahme fordern die Mediziner die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut zu einer Neubewertung auf. Zugleich kritisieren sie, dass «mit unrealistischen Hochrechnungen falsche Erwartungen an den Impfstoff geweckt» und «mit falschen Informationen zum Risiko des Gebärmutterhalskrebses Angst und Schuldgefühle erzeugt werden».
Von der HPV-Impfung erhoffen sich renommierte medizinische Institutionen wie das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg, die Deutsche Krebsgesellschaft, die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe oder der Berufsverband der Frauenärzte langfristig einen deutlichen Rückgang der sogenannten Zervixkarzinome. Die Rede ist von einer Abnahme um 70 Prozent. Derzeit erkranken weltweit jährlich rund 500.000 Frauen daran, etwa 300.000 von ihnen sterben an den Folgen. In Deutschland werden jedes Jahr rund 6.500 Neuerkrankungen und knapp 1.700 Todesfälle registriert.
Anfang der 80er Jahre gelang dem Heidelberger Virologen und diesjährigen Medizin-Nobelpreisträger Harald zur Hausen erstmals der Nachweis, dass das humane Papillomvirus Gebärmutterhalskrebs auslösen kann. Seit rund zwei Jahren gibt es auch in Deutschland einen Impfstoff, der aber bisher nur dann wirkt, wenn die Immunisierung vor der Infektion erfolgt. Die STIKO empfiehlt die Schutzmaßnahme daher besonders Mädchen und jungen Frauen, da vor dem ersten Geschlechtsverkehr geimpft werden sollte. Bei 12- bis 17-Jährigen übernehmen die Krankenkassen die Kosten.
Der Impfstoff richtet sich gegen HPV 16 und 18 und verhindert bei noch nicht infizierten Frauen zu 98 Prozent jene Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses, die mit diesen beiden Virus-Typen in Zusammenhang stehen. Ob der Schutz vor Infektionen und Krebsvorstufen aber tatsächlich die Häufigkeit des Zervixkarzinoms selbst senken kann, wird sich nach Ansicht vieler Experten erst innerhalb der kommenden 10 bis 20 Jahre zeigen.
Hier setzt die Kritik der 13 Wissenschaftler an: Sie bezweifeln, dass sich mit der Impfung tatsächlich auch jene 70 Prozent der Krebsfälle nahezu vollständig verhindern lassen, die mit den HPV-Typen 16 und 18 in Verbindung stehen. Diese sehr optimistische Annahme sei «bislang nicht durch Studienergebnisse belegt», erklären die Forscher. In eigenen Recherchen seien Hinweise gefunden worden, dass die Wirksamkeit deutlich niedriger liegen könne als bisher angenommen.
Einige der Zahlen, die die STIKO ihrer Entscheidung zugrunde gelegt habe, seien ohnehin überhaupt nicht nachvollziehbar, heißt es in der gemeinsamen Stellungnahme, die von Medizinern unter anderem der Berliner Charité, der Universitäten Bielefeld, Bremen, Frankfurt, Göttingen und Hamburg unterzeichnet ist. Zum Zeitpunkt der Prüfung durch die STIKO hätten zudem die Daten aus den entscheidenden Studien noch nicht vorgelegen, und besonders relevante Daten seien bis heute noch nicht veröffentlicht.
Das Robert-Koch-Institut (RKI) reagiert gelassen auf die Kritik: «Diese Vorwürfe sind alles andere als neu und in der Vergangenheit schon mehrfach vorgebracht worden», sagt RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher. Sie verweist darauf, dass es inzwischen eine europaweite Empfehlung für die HPV-Impfung gebe. Vor allem aber wäre es nach Überzeugung des Instituts verantwortungslos, erst einmal 20 Jahre in aller Ruhe abzuwarten - obwohl schon jetzt eindeutig nachgewiesen sei, dass die Impfung HPV-Infektionen und erste Krebsvorstufen verhindern könne. Schließlich werde niemand zum Impfen gezwungen, sagt die Sprecherin: «Die HPV-Impfung ist freiwillig und wird auch freiwillig bleiben.»
(© AP)




