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28. September 2008
«Ich kann mir nicht jeden Tag ein Ohr abschneiden»


Berlin - Wer schon immer einmal den Mythos des Künstlers hinterfragen wollte, hat dazu ab dem 1. Oktober bis in den Februar hinein Gelegenheit. Auf der Berliner Museumsinsel und am Kulturforum Potsdamer Platz wird in zehn Ausstellungen dem «Kult des Künstlers» von der Antike bis ins 21. Jahrhundert nachgegangen. Genie oder Wahnsinn, Prophet oder Selbstdarsteller - die Museen stellen den Künstler «als zentrale mythische Figur des Abendlands» auf den Prüfstand.

In der Alten Nationalgalerie werden Künstlermythen des 19. Jahrhunderts gezeigt. So erhellen beispielsweise Caspar David Friedrichs Werke, in welchem Maße er Isolation und Askese zu Elementen seiner Lebens- und Schaffensweise machte. Der Wettstreit der Künstlerfeunde Karl Friedrich Schinkel und Clemens Brentano wird thematisiert. Brentano war lebhaft an bildender Kunst interessiert und studierte Architektur bei Schinkel. Schinkel wiederum schätze Brentanos Dichtung und zeichnete Illustrationen zu seinen Werken.

Die Neue Nationalgalerie feiert «Das Universum Klee», der mit seiner universalen Bildsprache zu den bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts zählt. Mit 250 Werken des Jahrhundertkünstlers zeigt das Museum erstmals nach der 85 Jahre zurückliegenden Klee-Ausstellung im Kronprinzenpalais wieder eine umfassende Retrospektive des Künstlers in Berlin. Parallel dazu fordert «Jeff Koons" Celebration» wieder den Voyeurismus des Zuschauers heraus.

Zwei weitere Selbstdarsteller - Andy Warhol und Joseph Beuys - werden im Hamburger Bahnhof/Museum für Gegenwart ins Rampenlicht des Künstlerkults gestellt. Die Ausstellung «Ich kann mir nicht jeden Tag ein Ohr abschneiden» hinterfragt die Position des Künstlers im Kunstbetrieb.

In den Ausstellungshallen am Kulturforum Potsdamer Platz soll ein Panoramablick auf die Rolle des Künstlers in allen Kulturen und Epochen geworfen werden. Auch das Ägyptische Museum auf der Museumsinsel bietet ein Zeitreise - diesmal weit über die Grenzen der abendländischen Geschichte hinaus bis zur Geburt des Künstlerkults in den Werkstätten des Thutmosis, dem Schöpfer der Nofretete - die inzwischen als schönste Frau Berlins jedes Jahr Tausende von Besuchern anlockt.








 
 



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