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28. September 2008

Finanzkrise schwächt Konjunktur in Deutschland



Berlin - Als Folge der Finanzmarktkrise wird die deutsche Wirtschaft geringer wachsen aus bislang erwartet: Finanzminister Peer Steinbrück und Wirtschaftsminister Michael Glos äußerten am Wochenende die Sorge, dass das Wachstum 2009 weit unter der erwarteten Marke von 1,2 Prozent bleiben könnte. Es dürfte deutlich schlechter werden, sagte Steinbrück. Der DGB kündigte energischen Widerstand gegen mögliche Entlassungen und Lohnsenkungen an. Ein Ende des Beschäftigungsaufbaus sagte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt voraus.

Steinbrück sagte dem «Spiegel», die USA lägen «mit einer Lungenentzündung auf der Intensivstation». Das bedeute, «dass auch wir hier in Europa zumindest eine schwere Erkältung bekommen können». Am 16. Oktober soll die aktuelle Konjunkturprognose der Bundesregierung vorgestellt werden.

Glos sagte der «Bild»-Zeitung, er erwarte eine Belastungsprobe für Deutschland. «Wir werden unsere Prognose für das nächste Jahr wohl deutlich nach unten korrigieren müssen.»

Nach Erkenntnissen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) legte die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal noch um 0,2 Prozent zu, wie die «Bild»-Zeitung berichtete. Im zweiten Quartal 2008 war das Bruttoinlandsprodukt um 0,5 Prozent gesunken.

Deutsche Ersparnisse laut Bafin sicher

Zu Notprogrammen für die Finanzmärkte wie in den USA äußerte sich Glos skeptisch. In Deutschland seien sie derzeit nicht notwendig. «Am Ende trägt immer der Steuerzahler die Last, und zuvor konnten sich die Aktionäre an den Gewinnen erfreuen. Das setzt die falschen Akzente.»

Steinbrück machte deutlich, dass die europäischen Banken infolge eines staatlichen Rettungspakets für die US-Banken Wettbewerbsnachteile erleiden könnten. «Das ist ein Thema, ja», sagte er auf eine entsprechende Frage. Aber zunächst «müssen wir mal sehen, was die Amerikaner genau vorhaben.»

In «Bild am Sonntag» erklärte der stellvertretende SPD-Vorsitzende das deutsche Bankensystem für robust. Die Bankenaufsicht sei sicher, dass die Sicherheit der privaten Ersparnisse gewährleistet sei.

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer, kündigte den Kampf der Gewerkschaften gegen Entlassungen und «Lohndrückerei» an. In «Bild am Sonntag» sagte er, jene Manager, die sich am «Kasino-Kapitalismus» beteiligt und die Milliardenverluste produziert hätten, würden als erste versuchen, den Schaden auf die Mitarbeiter abzuwälzen.

Warnung vor hohen Lohnabschlüssen

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, äußerte unterdessen die Erwartung, dass die Arbeitslosigkeit im kommenden Jahr nicht steigen werde, wenn es zu einem konjunkturellen Abschwung komme. Bei einem Wachstum von nur 0,5 Prozent würde der Arbeitsmarkt allenfalls stagnieren, sagte er der «Wirtschaftswoche». .

Arbeitpräsident Dieter Hundt sagte in «Bild am Sonntag» eine wirtschaftliche Schwächung voraus. Mit Blick auf diese Wirtschaftsaussichten kritisierte Hundt die Gehaltsforderung der Metall-Gewerkschaft. Deren Forderung nach einer Lohnerhöhung von acht Prozent «geht weit an der wirtschaftlichen Realität vorbei».

DIHK-Chefvolkswirt Volker Treier erklärte, in den anstehenden Lohnrunden müsse es «maßvolle Abschlüsse» geben, um die gute Entwicklung am Arbeitsmarkt «nicht völlig abzuwürgen».




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