Der Börsengang der Bahn kann trotz Finanzkrise noch ein relativ gutes Geschäft werden. Die beteiligten Banken erwarten vom Teilverkauf einen Erlös von rund 4,5 Milliarden Euro. Das berichtete die «Welt am Sonntag» unter Berufung auf die Bewertungsberichte der 14 Konsortialbanken.
Auch Bahnchef Hartmut Mehdorn erklärte, er gehe von einem «ordentlichen Preis» aus. Über Zahlen wollte er nicht spekulieren. Einige Bundestagsabgeordnete halten den Zeitpunkt des Börsengangs am 27. Oktober trotzdem für falsch. Am Montag, dem 13. Oktober, soll für Privatanleger die Zeichnungsfrist für Aktien der Deutschen Bahn beginnen.
Prognose deutlich unter bisherigen Erwartungen
Mit ihrer Erlösprognose von 4,5 Milliarden Euro liegen die Banken deutlich unter den Erwartungen von Bundespolitikern, die von 6 bis 8 Milliarden Euro gesprochen hatten. Die Bahn-Tochter Mobility Logistics werde von den Bankern auf einen Wert von 20,2 Milliarden Euro taxiert, heißt es in dem Zeitungsbericht. Die Spanne reiche von 18 bis 22 Milliarden Euro.
Der Bund, dem die Bahn bisher komplett gehört, will nur knapp ein Viertel der Konzerntochter verkaufen, in der die Bahn den Personenverkehr und das Logistikgeschäft gebündelt hat. Folglich könnten die Einnahmen bei knapp über 5 Milliarden Euro liegen. Doch so viel Geld sei angesichts der gebeutelten Finanzmärkte derzeit nicht zu holen. «Es wird einen Abschlag von rund zehn Prozent geben», laute das Fazit der Banker.
Großes Interesse erwartet
Die 14 Geldinstitute, allen voran die vier beauftragten «globalen Koordinatoren» des Bahn-Börsengangs - Deutsche Bank, Goldman Sachs, Morgan Stanley und die Schweizer UBS - kommen dem Blatt zufolge zu dem Ergebnis, dass Investoren bei der Notierung ab 27. Oktober begierig zugreifen werden. Sie begründen dies vor allem mit der schieren Größe der Bahn.
Mobility Logistics profitiere davon, «im Bus- und Schienengeschäft Marktführer in Deutschland zu sein, in der Logistik gehört sie zu den Top drei der Welt», heiße es im Bericht von Morgan Stanley. Die Finanzexperten von UBS kämen zu dem Ergebnis, dass die Bahn-Tochter eine derart kritische Größe erreicht habe, dass «weitere Akquisitionen gar nicht mehr nötig sind, um ein Global Player zu werden». Das Unternehmen ziehe zudem Vorteile aus der weiteren Liberalisierung des Schienenverkehrs in Europa.
Mehdorn nennt Bahn einen sicheren Wert
Bahnchef Mehdorn erklärte: «Ich bin mir sicher, dass wir ein großes Volumen verkaufen und einen ordentlichen Preis bekommen können.» In n-tv sagte er zu den Turbulenzen an den Finanzmärkten: «Wir sind ein sicherer Wert, der nicht konjunkturell rauf und runter geht. Sieben Millionen Fahrgäste pro Tag und eine Million Tonnen Fracht pro Tag können sich nicht einfach übermorgen um halb drei Uhr verabschieden und woanders hingehen.»
Scheer für Erlösuntergrenze
Der SPD-Abgeordnete Hermann Scheer verlangte in der «Berliner Zeitung», die Teilprivatisierung der Bahn solle verschoben werden. Zudem forderte er, eine Erlösuntergrenze von sechs Milliarden Euro festzulegen.
Der Grünen-Verkehrspolitiker Winfried Hermann sagte, es sei der denkbar ungünstigste Zeitpunkt für einen Börsengang. «Der Bund muss ihn für dieses Jahr abblasen».
