Gut fünf Monate nach dem Tod eines Neugeborenen in einer Bundeswehrkaserne in Niedersachsen ist die Mutter wegen Totschlags angeklagt worden. Der 23-jährigen Sanitätssoldatin wird vorgeworfen, das Baby nicht sofort nach der Geburt auf einer Toilette aus dem Toilettenbecken geholt zu haben, wie die Staatsanwaltschaft Verden am Donnerstag mitteilte. Das Neugeborene sei daraufhin erstickt.
Die Angeklagte hatte laut Staatsanwaltschaft in der Nacht auf den 13. März in der Kaserne in Schwanewede, in der sie stationiert war, allein ein Mädchen zur Welt gebracht. Nachdem das Neugeborene in die Toilette gefallen war, habe sie auf die Nachgeburt gewartet. Diese und das Baby legte sie demnach in einen Eimer, den sie mit Klopapier abdeckte und in ihrem Spind einschloss. Dann sei sie ins Bett gegangen. Erst einen Tag später vertraute sich die Frau einer Stubennachbarin an.
Ihr Verhalten erklärte die Angeklagte laut Staatsanwaltschaft damit, dass sie das Kind für tot gehalten habe. Nach Erkenntnissen eines Sachverständigen war das voll ausgetragene Mädchen aber lebensfähig und machte hörbar 10 bis 20 Atemzüge. Die Mutter soll demnach bis zur Geburt nicht in der Vorstellung gelebt haben, schwanger zu sein. Ihre schwangerschaftsbedingte Gewichtszunahme habe sie sich und ihrem Umfeld mit stressbedingtem Essverhalten erklärt.
