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28. August 2008
Steigende Energiekosten treiben auch Mieten in die Höhe


München - Da ächzt der Geldbeutel: Mieter mit sogenannten Indexmietverträgen bekommen die explodierenden Energiepreise zurzeit doppelt hart zu spüren. Sie müssen nicht nur die drastisch gestiegenen Nebenkosten schultern. Die immer neuen Teuerungswellen bei Sprit, Gas, Heizöl und Strom treiben auch ihre Grundmiete in die Höhe. Denn indexierte Mietverträge sind an die Entwicklung der Verbraucherpreise für alle privaten Haushalte gekoppelt. Und das bedeutet: Je weiter die Inflation in Deutschland nach oben jagt, desto teurer wird die Wohnung.

«Im Augenblick ist die Entwicklung unglücklich für Mieter», sagt Ulrich Ropertz, Sprecher des Deutschen Mieterbunds. Wer einen «normalen» Mietvertrag hat, ist in diesen Tagen häufig deutlich besser dran. Die reine Nettokaltmiete steigt bundesweit nämlich weit weniger drastisch an als die Verbraucherpreise, die regelmäßig vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden ermittelt werden.

Während die Kaltmieten laut Ropertz im Schnitt um 1,6 Prozent pro Jahr nach oben gehen, stieg der Lebenshaltungsindex von Juli 2007 bis Juli 2008 um happige 3,4 Prozent - vor allem befeuert durch die Benzin-, Energie- und Lebensmittelpreise, die in der amtlichen Statistik eine gewichtige Rolle spielen. So, wie sich der Index entwickelt, kann der Vermieter auch die Miete anheben.

Wie viele Bürger einen Mietvertrag in der Schublade haben, der sich am Preisindex orientiert, kann niemand genau beziffern. Es werden aber tendenziell immer mehr, weiß Alexander Wiech vom Eigentümerverband Haus und Grund Deutschland. Vor allem in Ballungszentren wie den Großräumen München oder Frankfurt am Main ist die Indexmiete im Kommen.

In der bayerischen Landeshauptstadt werde bei Neuvermietungen inzwischen schon jede dritte Miete indexiert, sagt Rudolf Stürzer, Vorsitzender von Haus und Grund München. Seit der Mietrechtsreform 2001 ist das erlaubt. Vorher war die Koppelung nur bei Gewerbeimmobilien üblich.

«Tendenziell gefährlich»

Viele Mieter unterschreiben offenbar, ohne genau zu wissen, worauf sie sich einlassen. In München heißt das beispielsweise: Zusätzlich zur Verteuerung der Energiekosten im zweistelligen Prozentbereich mussten Betroffene seit Anfang 2006 Mieterhöhungen um etwa 7 Prozent hinnehmen. Trotzdem muss das in der heiß begehrten Stadt nicht die schlechteste Lösung sein. Die normalen Wohnungsmieten zogen in der gleichen Zeit mindestens genauso kräftig an, weiß Stürzer. Oftmals um bis zu 15 Prozent in zwei Jahren.

In weniger gefragten Wohnlagen Deutschlands kann die Indexmiete aber ruck-zuck zum Preisbeschleuniger werden. «Das passiert in Kommunen, wo die Vergleichsmieten nicht so schnell nach oben gehen», erklärt Mieterbund-Sprecher Ropertz. Überall dort sei diese Art von Mieterhöhung in diesen Tagen «tendenziell gefährlich» für Mieter.

Grundsätzlich ist die Indexmiete interessant für Vermieter in Großstädten, in denen eine Mieterhöhung auf einen hoch komplizierten Mietspiegel mit ortsüblichen Vergleichsmieten gestützt werden muss. Wer etwa in München eine Anhebung durchsetzen will, muss seinem Mieter aufwendig begründen, warum er mehr Geld zahlen soll. Streiterei darüber ist an der Tagesordnung.

Bei der Indexmiete ist die Preisentwicklung dagegen vorgegeben. Anhand der amtlichen Daten kann der Vermieter die Inflationsrate an den Mieter weitergeben. Für ein Jahr muss die Miete dann mindestens unangetastet bleiben. «Wenn der Vermieter keinen Ärger haben will, ist das empfehlenswert», sagt Stürzer.

Vor sieben Jahren noch ungeliebt

Mieter scheinen Indexmieten auf amtlicher Basis in der Regel ohne größere Nachfragen zu akzeptieren, so die Erfahrungen von Haus und Grund. In Großstädten haben sie oft keine andere Wahl, wenn sie eine bestimmte Wohnung im Auge haben. Wer vor zwei oder drei Jahren eine solche Klausel unterschrieb, dürfte allerdings auch nicht geahnt haben, dass die Verbraucherpreise einmal in solche Höhen schnellen.

Vor sieben oder acht Jahren sah die Situation noch ganz anders aus. Da konnten sich private Vermieter nicht für die Indexmiete begeistern. Mieter dagegen waren fein raus, wenn sie einen entsprechenden Vertrag ergattert hatten. Damals stiegen die Kaltmieten bundesweit noch schneller als die Inflationsrate.

Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Schließlich muss ein Vermieter beim Indexvertrag auch eine gegenläufige Entwicklung weitergeben: Sinken die Verbraucherpreise, wird auch die Grundmiete niedriger.








 
 



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