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28. August 2008
Sicherheitskonzept für Afghanistan überprüfen


Berlin - Nach dem tödlichen Attentat auf die Bundeswehr haben Politiker eine Überprüfung des Sicherheitskonzepts für den Einsatz in Afghanistan gefordert. «Nach jedem Anschlag muss genau untersucht werden, ob die Sicherheitslage noch verbessert werden kann», sagte der Wehrbeauftragte des Bundestages, Reinhard Robbe, am Donnerstag. Auch die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Ulrike Merten, forderte Konsequenzen aus der verschärften Sicherheitslage in Afghanistan.

Ein Fallschirmjäger war am Mittwoch ums Leben gekommen, als eine Bundeswehrpatrouille südlich von Kundus in eine Sprengfalle geriet. Drei weitere Soldaten wurden verletzt. Die radikalislamische Taliban bekannten sich «Spiegel-Online» zufolge zu der tödlichen Attacke. Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung hatte eingeräumt, dass sich die Sicherheitslage im Norden des Landes seit einiger Zeit verschärft habe.

Robbe sagte der «Passauer Neuen Presse», die Ausrüstung und das Sicherheitskonzept der Bundeswehr in Afghanistan müssten immer wieder auf den Prüfstand gestellt werden. Die Soldaten müssten sich auch immer neuen technischen und taktischen Herausforderungen stellen. Verlässliche Hinweise, dass die deutschen Truppen verstärkt Ziel von Anschlägen seien, gebe es aber nicht, sagte der Wehrbeauftragte.

Die SPD-Politikerin Merten erklärte im rbb-Inforadio: «Die Lage hat sich in allen Regionen des Landes zugespitzt... Daraus muss man Konsequenzen ziehen.» Die NATO müsse für das ganze Land eine zusammenhängende Strategie entwickeln. Die FDP-Verteidigungsexpertin Elke Hoff forderte in der «Frankfurter Rundschau» die schnellstmögliche Beschaffung von «modernen geschützten Fahrzeugen in allen Schutzklassen».

Der stellvertretende Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Ulrich Kirsch, warf der internationalen Gemeinschaft vor, zu sehr auf die militärische Karte gesetzt zu haben. Im bayerischen Rundfunk sagte Kirsch, weil der Aufbau von Polizei, Justiz und Verwaltung in Afghanistan nicht vorankomme, erreiche man auch nicht die Herzen und Köpfe der Menschen. Das verschaffe der Taliban neuen Rückhalt.

Afghanistan-Einsatz schreckt Bewerber ab

Der Bundeswehrverband geht davon aus, dass die Anschläge auf deutsche Soldaten zahlreiche mögliche Bewerber für die Truppe abschreckten. «Bei Unteroffizieren und Mannschaften ist die Zahl der Anwärter im Vergleich zum Vorjahr um über 50 Prozent gesunken», sagte Kirsch der «Neuen Osnabrücker Zeitung» zufolge.

Außerdem kehren offenbar immer mehr Soldaten der Bundeswehr auch wegen des Afghanistan-Einsatzes den Rücken zu. Nach Informationen der «Rheinischen Post» verlassen rund zehn Prozent aller Offiziersanwärter die Bundeswehr bereits wieder vor dem eigentlichen Beginn ihrer Karriere. Immer häufiger werde in letzter Zeit der Afghanistan-Einsatz als eine Begründung genannt, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Offizierskreise. Abwanderungstendenzen gebe es zudem bei Ärzten und Piloten. Vor allem qualifiziertes Flugpersonal ziehe nach langen und anstrengenden Afghanistan-Einsätzen lukrative Angebote ziviler Airlines vor.








 
 



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